Testlauf für den Notfall endet als Katastrophe. AKW explodiert in Tschernobyl

Die Welt sollte anfangs nichts erfahren von diesem verheerenden Unfall. Am 26. April 1986 wollten die Techniker des Atomkrafwerks Tschernobyl mit einem Testlauf den Notfall üben. Doch dann explodierte der Reaktorblock 4 des sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl tatsächlich. Mit schrecklichsten Folgen - bis heute!

Die Fukushima 50? Erschreckend wie sich die Bilder doch gleichen. Das hier war in Tschernobyl....

Die damalige UdSSR setzte alles daran, den Vorfall zu vertuschen. Die Welt sollte nichts erfahren, und auch als weltweit Radioaktivität in zuvor ungeahntem Ausmaß gemossen wurde, stritten die Verantwortlichen anfangs alles ab! Fühlt sich da noch wer an aktuelle Geschehnisse erinnert?




Ein vollständiger Stromausfall sollte damals simuliert werden, um nachzuweisen, dass die Rotationsenergie der Turbinen ausreichen würde, um die kurze Zeit bis zum Anspringen der Notstromaggregate zu überbrücken.

Die Techniker des AKW`s waren mit diesem Test bereits im Verzug, die Nachtschicht sollte das angefangene Experiment zu Ende bringen. Es begann eine verhängnisvolle Kettenreaktion - eine Mischung aus menschlichem Versagen, Unkenntnis, Materialschwächen und Sicherheitsmängeln. Um 1.23 Uhr explodierte der Reaktorblock 4.

''Es passierte das, was niemand für möglich gehalten hatte. Es waren Spezialisten, sie hatten Erfahrungen mit Havarien. Aber keiner der Anlagen-Techniker hat geglaubt, dass ein Atomkraftwerk explodieren kann. Es gab Unkenntnis auf allen Ebenen. Angefangen bei mir, dem Chef von 30 Aufklärern, bis hin zu Staatschef Gorbatschow'', sagt Sergej Mirnij. 

Er wurde nach der Katastrophe als Strahlenmess-Aufklärer nach Tschernobyl geschickt. In der Theorie wusste der Reserveoffizier fast alles über Radioaktivität. Die Realität sei eine andere gewesen, erinnert er sich heute.

Die sowjetische Führung setzte alles daran, den Unfall zu vertuschen. Eine Nachrichtensperre wurde verhängt. Selbst die Menschen in der Kraftwerksstadt Pripjat, die nur wenige Kilometer vom Reaktor entfernt liegt, habe man im Unklaren gelassen, sagt Nikolaj Fomin, der Besucher durch die heutige Geisterstadt führt.

''Es gab hier sehr viele Kinder. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung lag bei 26. Auf die 45.000 Einwohner kamen jährlich Tausend Neugeborene. Das ist ernorm. Deshalb gab es hier auch viele Schulen und Kindergärten.''

In allen wurde nach dem Unglück weiter gespielt, gelernt. In den Höfen getobt. Unter strahlend blauem Himmel. Erst 36 Stunden nach der Katastrophe wurde die Stadt evakuiert. Am 28. April wurden in Schweden erhöhte radioaktive Werte gemessen. Der Unfall ließ sich nicht mehr verheimlichen.

Die Tagesschau meldete um 20 Uhr: ''In der Sowjetunion hat sich offenbar ein ernster Atomunfall ereignet. Nach Angaben der sowjetischen Nachrichtenagentur Tass traten an einem Kernkraftwerk bei Kiew Schäden am Reaktor auf.

Durch die radioaktive Strahlung sollen auch Menschen zu Schaden gekommen sein. Weiter heißt es in der Meldung, den Betroffenen werde Hilfe geleistet. Es wird aber nicht gesagt, wann sich das Unglück ereignet hat oder wodurch es verursacht wurde.''

Der damalige Bundesinnenminister Zimmermann antwortete auf die Frage, ob eine Gefährdung der deutschen Bevölkerung auszuschliessen sei mit "Ja, absolut auszuschliessen. Es besteht keinerlei Gefahr für die deutsche Bevölkerung". Das war der Irrtum seines Lebens... Oder seine grösste Lüge.




Erst am 29. April sprachen sowjetische Quellen von einer Katastrophe. Da hatte die radioaktive Wolke längst den Westen Europas erreicht. Auch in Deutschland hatte es radioaktiven Niederschlag gegeben.

Während in Kiew Hunderttausende ahnungslos an den offiziellen Mai-Kundgebungen teilnahmen, versuchten die so genannten Liquidatoren ohne Schutzausrüstung verzweifelt, den Reaktorbrand zu löschen ... passierte nicht das gleiche gerade erst in Japan? So hat also die Atom-Lobby dazu gelernt ...

Wie viele Opfer die Strahlung bis heute gefordert hat, ist unklar. Studien und Statistiken gingen weit auseinander, sagt Greenpeace Atomexperte Tobias Münchmeyer:

''Die internationale Atomenergiebehörde, die schon zu Recht in dem Ruf steht, eher Zahlen auch drücken zu wollen, nach unten korrigieren zu wollen, war gezwungen, ihre Zahlen von 4000 hoch auf 9000 nach oben zu korrigieren.'' 

Greenpeace-Studien gehen von über 90.000 Krebstoten in der Ukraine, Weißrussland und Russland aus. Auch andere Folgen der Katastrophe sind bis heute nicht absehbar.

Die Betonhülle, die vor 25 Jahren in aller Eile über dem havarierten Reaktor errichtet wurde, ist brüchig. Wie lange die Konstruktion trotz aller Sanierungsmaßnahmen noch halten wird, weiß niemand genau. Was sich im Innern des Reaktors abspielt, darüber spekulieren die Experten.

''Bis heute gibt es keine vernünftige Aufarbeitung der Geschichte der Katastrophe von Tschernobyl'', bedauert Sergej Mirnij. Er weist auf Hunderte kleingedruckter Zahlen auf den Gedenksteinen am Rande der Sperrzone von Tschernobyl.

Es sind die Nummern jener Brigaden, die zum Reaktor geschickt wurden, um die Folgen der Katastrophe zu beseitigen. Niemand kann genau sagen, ob es 600`000 oder 900`000 Menschen waren.

Leserempfehlung: Über den Unglücksreaktor wird >>>neuer Sarkopharg gebaut.




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