Gefährdete Fischarten - auch wir können was tun!

Schon seit Urzeiten ernähren die Früchte des Meeres den Menschen. Und auch zur Weihnachtszeit stehen Fisch, Krabben, Muscheln aus Fluss, Teich oder Ozean weit oben auf der Speisekarte. Fisch ist beliebt, doch einige Arten stehen kurz davor, für immer zu verschwinden. Verbraucher könnten dagegen etwas tun - Umweltschützer erklären, was.

Auch Delikatessen aus und mit Fisch sind nach wie vor sehr beliebt.

Gastbeitrag von Martin Morcinek 

Gut 2 Millionen Tonnen Fisch und Fischereierzeugnisse landen pro Jahr auf deutschen Küchentischen. Besonders gut schmeckt den Deutschen dabei der Alaska-Seelachs.

Auf der Beliebtheitsskala des Fisch-Informationszentrums - einem eingetragenen Verein mit Unternehmen und Verbänden der deutschen Fischwirtschaft - steht diese Fischart ganz weit oben.

Knapp dahinter folgt beim Verzehr der Hering, dann der Lachs. Erst danach folgen Exoten wie der Thunfisch und der Pangasius. Seefische beherrschen die oberen Ränge.

Thunfisch auf dem Markt.
Reine Süßwasserfische wie die Forelle, der Karpfen oder der Zander stehen zurück - in der Fangmenge ebenso wie in der Beliebtheit. Heimische Fische sind für die Nahrungsmittelindustrie schwerer zu verarbeiten.

Meist weisen sie auch mehr Gräten auf als zum Beispiel das "Huhn der Meere", der fettarme und grätenfreie Thun. Der Fettgehalt mit seinem charakteristischen Eigengeschmack macht zum Beispiel den Karpfen untauglich für den Massenmarkt.

Frischer Fisch kommt beim Pro-Kopf-Verbrauch auf einen Anteil von lediglich 9 Prozent. Das Grund: Fisch lässt sich nach dem Fang nicht lange lagern. Ungekühlt verdirbt die Ware binnen Stunden, und ein Großteil der Verbraucher wohnt fernab der Küsten.

Der überwiegende Anteil des in Deutschland angebotenen Fisches muss daher haltbar gemacht werden, und das mit den gängigen Methoden: Einfrieren, eindosen, marinieren, salzen oder räuchern ... 

Fisch aus dem Tiefkühlregal.
Fisch aus dem Tiefkühlregal stellt mit einem Anteil von einem guten Drittel den Löwenanteil der verzehrten Ware. Konserven und Marinaden kommen zusammen auf einen Anteil von rund 25 Prozent.

Die Kategorie "Heringskonserven und Marinaden" führt dabei vor Thunfisch in Dosen und der klassischen Sardinenbüchse. Die übrigen Anteile verteilen sich auf Räucherfisch (8 Prozent), Salzheringe, Anchovis, Matjes, Sardellenpasten, Krebs- und Weichtiere sowie Fischsalate.

Anlässlich der kürzlich zu Ende gegangenen Brüsseler Fischmesse raten Fisch-Experten der Naturschutzorganisation WWF den deutschen Verbrauchern, auf den Kauf einer ganzen Reihe von Fischarten weiterhin zu verzichten.

Auf der Messe in Brüssel hatte die Branche über die geschäftlichen Perspektiven diskutiert. Auch das zum Teil dramatische Problem der Überfischung in vielen Fanggebieten stand zur Debatte. Daneben wurden hunderte Arten von Meerestieren angepriesen. Die "European Seafood" versteht sich selbst als die weltweit größte und wichtigste Messe ihrer Art.

Gefahr durch Überfischung.
Der weltweite Handel mit Fisch steht nicht zuletzt wegen des rapide wachsenden Nahrungsmittelbedarfs vor erheblichen Problemen. Der WWF begründet dagegen seine aktuelle Einkaufsempfehlung für einzelne Fischarten vor allem mit zwei Argumenten:

Entweder birgt der Fang bestimmter Sorten schädliche Langzeitfolgen für die Umwelt - oder die Bestände sind bereits so dramatisch überfischt, das einzelne Arten kurz vor der endgültigen Ausrottung stehen.

Feinschmecker, Fischliebhaber und andere Fischfreunde stehen dieser Entwicklung allerdings nicht hilflos gegenüber: Sie können durch ihre Entscheidung beim Fischhändler, im Restaurant oder an der Kühltheke direkt dazu beitragen, dass die Nachfrage nach bedrohten Fischarten zurückgeht.

Experten gehen davon aus, dass im Verhalten der Verbraucher eine der wichtigsten Chancen liegt, die Vielfalt der Meere zu erhalten. Die Rettung bedrohter Arten hat dabei auch handfeste ökonomische Gründe: Die Fischerei stellt rund um die Welt eine Lebensgrundlage für Millionen von Menschen dar.

Hamburger Fischmarkt.
Welchen Fisch kann ich bedenkenlos kaufen? Beim Einkauf sollten Verbraucher in jedem Fall auf die Fischart, die Fangmethode und die Herkunft achten.

Im Zweifelsfall stehen weniger gefährdete Alternativen zur Verfügung wie zum Beispiel der Klassiker Nordsee-Hering. Der gelangt außerdem mit deutlich geringerem Transportaufwand auf den deutschen Markt als ein Barsch aus dem Victoria-See oder Zuchtfisch aus Südamerika.

Ohne Gewissensbisse können Verbraucher laut WWF außer zum Nordsee-Hering beispielsweise zur Makrele aus dem Nordatlantik greifen. Seelachs aus dem Nordostatlantik ist ebenfalls in Ordnung, sofern er nicht aus den Gewässern um die Färöer-Inseln oder Island stammt. Auch Lachs und Forelle aus kontrollierter Öko-Aufzucht sind in den Augen der Umweltschützer unbedenklich.

Grundsätzlich sind alle Meerestiere aus Öko-Aquakulturen in der Regel unproblematisch - sofern die Züchter den hohen Ansprüchen tatsächlich genügen. Bedenkenlos verzehrt werden kann angeblich auch Kabeljau (Dorsch) aus einer Reihe von Fanggebieten, darunter der östlichen Ostsee.

Bei welchen Arten sollten Verbraucher vorsichtig sein? Bei Krabben und Garnelen heißt es dagegen: genau hinschauen. Nordseegarnelen kommen laut WWF wegen der kleinmaschigen Netze mit viel Beifang an Bord. Dieser besteht auch aus Jungfischen wie Schollen und Seezungen oder Seesternen. Im Fall der Eismeergarnele seien die Bestände bis zur biologischen Grenze befischt. Darüber hinaus rät der WWF bei in der Ostsee mit Stellnetzen gefangener Scholle zur Zurückhaltung.

Das Gleiche gilt derzeit für den immer beliebter gewordenen Pangasius. Bislang gingen von der Zucht im Hauptexportland Vietnam viele Umweltrisiken aus, etwa durch ins Wasser gekippte Medikamente. Allerdings sei Vietnam mittlerweile bemüht, auf nachhaltigeres Wirtschaften umzustellen.

Worauf sollten Verbraucher verzichten? Ganz gemieden werden sollten zum Beispiel Rotbarsch aus Kanada, Dorade aus dem Mittelmeer sowie Zuchtlachs aus Chile und Atlantischer Lachs. Akut bedroht ist laut WWF der für Sushi beliebte Rote Thun.

Auch Hummer aus den USA sei tabu, da sich hier oft kleinere Wale in den Hummerkörben verfingen und ertränken. Von Aal rät der WWF grundsätzlich ab, da der Bestand "auf einem kritischen Tiefstand" sei.

Wo kann ich dann überhaupt noch Fisch kaufen? Bioläden seien immer eine gute Wahl, heißt es beim WWF, denn sie bieten nur Fisch an, dessen Kauf gemessen an ökologischen Kriterien vertretbar ist. Dafür ist die Auswahl oft gering. In den großen Supermarktketten müssen Verbraucher laut WWF genau hinsehen.

Einen Hinweis auf nachhaltig gefangenen Fisch gibt das MSC-Siegel: ein weißer Fisch auf blauem Grund mit dem Schriftzug "Marine Stewardship Council". Für Zuchtfisch, also Fisch aus Aquakulturen, gelten Ökosiegel wie "Bioland" und "Naturland" als verlässlich.

Mehr Informationen zum Thema Fisch und Fischeinkauf findest Du im Internet unter zum Beispiel:




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