Der Kampf des Milch-Revoluzzers

Er ist nur ein einfacher Bauer, der mit seiner Frau und seinen Kindern einen Hof im Allgäu bewirtschaftet. Er hat nicht studiert und nie ein Managementtraining besucht. Aber wenn die Chefs der Milchkonzerne einen Mann fürchten, dann ihn: Romuald Schaber! Er kämpft dafür, dass wir alle (!) gesunde Lebensmittel kaufen können - der Kampf des Milch-Revoluzzers.

Kämpft für das Überleben der Bauern und gesunde Lebensmittel für uns alle!
Er gilt als knallharter Verhandler und als ein Mann, der in großen Zusammenhängen denken kann. 33`000 Milchbauern hat der Milchrevoluzzer aus dem Bauernverband herausgeführt, weil die sich dort verraten und verkauft vorkamen. 

Für die europäischen Milchbauern ist er schlicht ein Held! Sie wissen, nur "Romi" kann sie vor dem Untergang bewahren.

Romuald Schabers Buch ist die bewegende Geschichte eines Mannes, der seine Familie, seinen Beruf und seine Heimat liebt und deshalb gegen das Bauernsterben in Europa kämpft. 

Seine Geschichte und sein Hilferuf gehen uns alle an: "Der Milchpreis, den uns die Konzerne diktieren, ist der Preis, an dem die Bauern sterben. Billige Milch ist Blutmilch!"

Ein Interview mit dem Milchrevoluzzer findest Du auf Seite 2 dieses Artikels! Unbedingt lesen!


HNB: In Deinem Buch "Blutmilch" beschreibst Du den Überlebenskampf der Bauern. Wieso ist "Die faire Milch" bei den Verbrauchern noch nicht angekommen?

Schaber: Nach Jahrzehnten der Billig-Werbung hat bei vielen eben eine gewisse Abstumpfung eingesetzt, dabei ist nichts so teuer wie billige Milch.

HNB: Wieso das?

Schaber: Weil die Nebenwirkungen nicht mit eingepreist sind: Höfe sterben, Arbeitsplätze gehen verloren, die Landschaft droht zu verkommen. Und die Industrie streicht fröhlich die dicksten Subventionen ein.

HNB: Mit der Marke "Die faire Milch" versuchst Du mit anderen bayerischen Bauern, den eigenen Rohstoff selbst zu vermarkten und die Macht der Molkereien zu umgehen. Warum bist Du damit so spät dran?

Schaber: In den Regalen stehen ja schon einige angebliche Fair-Produkte, da war nicht mehr viel Platz. Dabei sind das meist Mogelpackungen. Da kommen nur Winz-Beträge bei den Bauern an. Bei unserer Milch, die es bislang in Süd- und Westdeutschland gibt, sind es immerhin 40 Cent.

HNB: Der Start des Projekts verlief holprig?

Schaber: Es war unglaublich schwer. In Bayern und Baden-Württemberg haben wir keine Molkerei gefunden, wir müssen jetzt in Hessen verarbeiten lassen. Und dann kam noch der Einzelhandel: Aldi hat uns abgekanzelt, weil unser Produkt unlauter sei, Verbrauchertäuschung. Schließlich waren Rewe und Tegut aber überzeugt.

HNB: Warum gab es dann noch mal Streit wegen des Etiketts?

Schaber: Weil die Wettbewerbszentrale sich am Aufdruck "aus ihrer Region" gestört hat. Darauf verzichten wir jetzt auch, sagen aber nach wie vor, in welchem Bundesland die Milch gemolken wird. Aber nun wollen die noch unseren Markennamen "Die faire Milch" angreifen - das wird vor Gericht gehen.

HNB: Was ist denn an dem Namen auszusetzen?

Schaber: Das sei ein unzulässiges Alleinstellungsmerkmal. Dahinter steht aber mehr: Die Wettbewerbszentrale ist ein Selbstkontrollorgan des Handels und der Industrie, das auch die großen Molkereien vertritt - und die haben einfach keine Lust auf uns! Gegen die Alpenmilch von Weihenstephan zum Beispiel haben die komischerweise nichts, obwohl die Milch dafür von sonstwo her aus Bayern kommen kann, nicht nur aus den Alpen. Und warum? Weihenstephan gehört zu Müller-Milch.

HNB: Viele Politiker haben Sympathie für die Milchbauern gezeigt. Was hat das gebracht?

Schaber: Nicht viel. Nach der Wahl im Oktober 2009 etwa saßen wir zusammen mit der Bundeskanzlerin und sie war über die Praxis des Überlieferns von Milch gut informiert. Viele Großbauern liefern ja einfach mehr ab, als sie nach Quote dürfen. Sie fand das ungerecht und sagte zum Bauernverbandschef Gerd Sonnleitner, er solle da doch mal seinen Einfluss in den Ländern geltend machen, um das abzustellen.

HNB: Und wie hat der darauf reagiert?

Schaber: Der machte sich ganz klein und sagte, so mächtig sei er doch nun auch nicht. Merkel meinte dann zu ihm, das wundere sie aber, weil ihr der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger gesagt habe, wenn der Sonnleitner eine andere Meinung zum Thema habe, dann stimme er für Baden-Württemberg auch danach ab. Und diese Überlieferung winkte der Bundesrat dann ja auch bei der Abstimmung mehrheitlich durch - ganz im Sinne des Bauernverbands.

HNB: Bei einem Deiner ersten Besuche in Brüssel hast Du gleich auch den Abteilungsleiter Milch der EU-Kommission getroffen. Was hat`s gebracht?

Schaber: Erstmal nichts, weil der mich gleich anfuhr: "Mit welchem Recht fordern Sie für ihre Milch 30 Prozent mehr als auf dem Weltmarkt?"  Ich hatte so was ähnliches erwartet und sagte: "Mit dem gleichen Recht, mit dem Sie hier einen 30 Mal so hohen Lohn kassieren wie ein gleich qualifizierter Beamter aus Indien."

HNB: Du schreibst im Buch, noch bis 1974 wurde auf Deinem Hof per Hand gemolken, heute ist Dein BlackBerry Dein Werkzeug.

Schaber: So spielt das Leben. Ich kenne aber auch heute noch jede einzelne unserer Kühe. Und 1974, als ich nach der Lehre wieder auf den Hof kam, war meine erste Anschaffung eine Melkmaschine. Auch die Schabers leben nicht hinterm Mond.

HNB: Danke, Romi, für das kurze Gespräch.



Bei der Bundesdelegiertenversammlung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. Anfang Mai wurde das Vorstandsteam bei der jährlich stattfindenden Vorstandswahl mit großer Mehrheit in seinem Amt bestätigt.

Romuald Schaber bleibt Vorstandsvorsitzender, weitere Vorstandsmitglieder sind Stefan Mann (Hessen), Martin Morisse (Niedersachsen), Siek Postma (Mecklenburg-Vorpommern) und Stefan Lehmann (Baden-Württemberg).

Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war außerdem die Vorbesprechung der demnächst in ganz Deutschland stattfindenden Regionalkonferenzen, bei denen gemeinsam mit allen interessierten Mitgliedern die weitere Strategie des BDM gerade im Hinblick auf das Quotenende 2015 diskutiert und beschlossen werden soll.

"Es ist für uns sehr wichtig, getreu unserem basisdemokratischen Grundsatz, die Meinung der Mitglieder zu hören und sie mit ihren Gedanken und Anregungen bei allen wichtigen Entscheidungen miteinzubeziehen", erläutert Vorstandsvorsitzender Romuald Schaber den Sinn der vielen Regionalkonferenzen. "Wir hoffen, dass unsere Mitglieder von dieser Mitwirkungsmöglichkeit sehr rege Gebrauch machen."

Mehr Infos findest Du unter www.bdm-verband.org.









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