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#nicht immer brav aber...immer wOw


Meine Kindheitserinnerungen. Der Krieg ging - die Hölle blieb

Geht es dir eigentlich auch so, dass urplötzlich, ohne dass etwas besonders vorgefallen wäre, Kindheitserinnerungen auftauchen? Natürlich denkt man oft mehr oder weniger gerne an die Kindheit zurück, aber manchmal schleicht dann so etwas wie Wehmut, Zorn und sogar etwas Bitternis in diese Gedanken.



Mir ist das so gegangen, als ich vor einiger Zeit wieder einmal in meiner alten Heimat zum Schülertreffen war. Und wie es halt das Schicksal so will, bekam ich fast zufällig genau vor dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, einen Parkplatz. Und urplötzlich stürzten so viele Gedanken auf mich ein, die ich euch nicht vorenthalten möchte. 

Sicherlich wird es für manchen Lacher, mindestens aber ein Schmunzeln hervorrufen, aber ich hoffe, dass es doch so manchen von euch auch zum Nachdenken anregt. Da stand ich nun und musste erkennen, dass dieses Haus nur sehr wenig mit dem gemeinsam hatte, wie ich es kannte. Es hatte ein Stockwerk dazubekommen, eine wunderschöne aus edlem Holz geschnitzte Eingangstür und dort, wo die Fenster vom Schlafzimmer meiner Eltern hinausgingen, befand sich ein Balkon. 

So wanderten meine Gedanken zurück, an das dunkle graue Haus, mit der schweren eisernen Eingangstür, die mir immer etliche Mühe bereitete, um sie zu öffnen, der schreckliche finstere Gang, vor dem ich mich immer fürchtete, da ich dachte, jemand hielte sich dort versteckt, und den Steinbrunnen, der in einer dunklen Nische stand. 

Ich weiss noch genau, wie ich die Treppen hinauf rannte in den ersten Stock, wo es genau wie im Parterre vier Mietswohnungen gab. Das heisst, eigentlich drei, denn in einer wohnten die Hauseigentümer.

Unsere Eingangstüre hatte im oberen Bereich ein gewelltes Glas, durch das man aber nur Schatten sehen konnte. Wenn ich klingelte, musste ich immer eine Zeit lang warten, bis mir meine Mutter öffnete. Das lag weniger an ihr, als an den vielen Riegeln, die sie zuerst zurückschieben musste und mindestens an den drei Schlössern, die aufzusperren waren.

Auch das lag nicht an meiner Mutter, sondern an unseren Vater. Seit er vom Kriege heimgekehrt war, muss in ihm eine schreckliche Angst vor irgendetwas Unvorhergesehen gewesen sein, denn er verbarrikadierte auch eben dieses erwähnte Glas, mit dicken Holzbalken. 

Und so war es in unserer sehr finsteren Kriegswohnung noch dunkler. Die einzigen Zimmer mit Tageslicht waren das Schlafzimmer meiner Eltern und unser winzigen Kabinett (das war ein ganz kleines Zimmer mit einem Fenster), wo meine Schwester und ich schliefen. In der Küche brannte den ganzen Tag das Licht und wenn wir vom Vorraum was brauchten, musste es natürlich auch angezündet werden. 

Ich ging aber sicher schon zur Schule, als an den Fenstern im Schlafzimmer, endlich Glas hinein gemacht wurde. Bis dahin musste es ein dicker Karton tun. Da im Nachbarhaus die Bomben hinein fielen, zersplitterten bei uns die Fenster und Geld war keines da, um sie zu reparieren. Aber das war ja noch nicht schlimm, im Nachbarhaus kam die ganze Familie ums Leben. 

Einmal spielte ich mit meiner Freundin in den Ruinen und fand dort ein Kreuz. Eigenartigerweise hat mich das sehr bewegt und ich nahm es mit nach Hause. Von meiner Mutter wusste ich, das man den Bub der Leute mit blutigen Händen gefunden hatte, so verzweifelt hatte er noch an den Gesteinsbrocken gekratzt, bevor er darunter erstickte. 

Doch zurück zu meinen Kleinkindheitserinnerungen! Zuerst waren wir mit unserer Mutter allein. Vater war im Krieg und an seine Besuche kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Andere Begebenheiten weiss ich also nur von den Erzählungen meiner Mutter! Die Geburt von mir war also eine Wohnungsgeburt im Beisein eines Arztes und meiner Grossmutter. Im Gegensatz zu meiner Schwester war ich ziemlich schwach und so entschloss man sich, mich gleich zu taufen. 

Da meine Grossmutter aber scheinbar eine „Tratschtante“ war, wurde der Nachhauseweg von der Kirche sehr lange, musste sie doch allen, die ihr begegneten, meine Geschichte erzählen. Dabei blieb wohl unbemerkt, dass es der Pfarrer ein wenig zu gut mit mir meinte und gehörig Wasser über mich geschüttet hatte. Nun, das sollte mir zum Verhängnis werden! Ich bekam eine schwere Lungenentzündung und sollte von nun an immer wieder mit schweren Krankheiten zu kämpfen haben. 

So verbrachte ich den Grosssteil meiner Kindheit in Spitäler. Aber wie heisst es so sinnig: „Was dich nicht umbringt, macht dich hart!“ Ich glaube, bei mir hat es zugetroffen! Dann, eines Tages, stand plötzlich ein fremder Mann bei uns in der Wohnung. Mutter erklärte uns, dass dies unser Vater sei und von nun an mit uns leben würde. 

Und so begann für meine Schwester und mich eigentlich nur mehr ein Leben in Angst. Aber dazu das nächste Mal!

Hier geht`s weiter zu Teil 2 meiner Kindheitserinnerungen >>>verlorene Kindheit






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