Meine Kindheitserinnerungen. Verlorene Kindheit

Ja, wie ich euch erzählt habe, kam mein Vater aus dem Krieg zurück. Und plötzlich änderte sich unser ganzes Leben. War die Bezugsperson für uns bis dahin unsere Mutter gewesen, mussten wir von nun an für alles und jegliches unseren Vater fragen. Und dann fing`s erst richtig an. Meine Kindheitserinnerungen Teil 2.



Gingen wir mit einer Bitte zu unserer Mutter, hiess es nur: Fragt den Vater, der schickte uns aber oftmals wieder zur Mutter und so waren wir einem ständigen Hin und Her ausgeliefert. Es war furchtbar! Liebe Eltern, macht das nie mit euren Kindern, denn dann haben sie keine Perspektive! 

Doch unser Vater liess und auch antreten wie Soldaten und wehe ein Knopf war etwas locker, dann riss er ihn herunter und schrie: „Ihr kommt zum Rapport!“ Was wussten wir Kinder schon, was er damit meinte! Das einzige was wir sicher wussten, dass uns Schläge erwartete, wenn wir nicht spurten. Alles musste bis auf die winzigste Kleinigkeit perfekt sein und wir durften uns ja keine Fehler erlauben. 

Das Schlimme war, dass sich auch unsere Mutter veränderte. Sie versuchte wohl, es dem Vater recht zu machen und so setzte es zuerst von der Mutter Schläge und am Abend, wenn Vater vom Dienst heimkam, ging es von vorne los. Langsam begannen wir unsere Mutter zu hassen. Denn sie war es, die immer alles haargenau dem Vater berichtete, wenn wir irgendeine Kleinigkeit angestellt hatten. 

Dann setzte sie ein besonders leidvolles Gesicht auf und der Vater fragte natürlich so lange, was los sei, dass sie es ja „notgedrungen“ sagen musste. Manchmal hatten wir das Gefühl, es befriedige unsere Mutter, wenn uns Vater schlug. Und da den letzten die Hunde beissen, kam ich besonders oft dran. 

In unserer Nachbarschaft wohnten lauter Familien mit Kindern, die alle wie damals üblich, auf der Strasse spielten. Es gab nur sehr wenige reiche Leute, die ein Haus mit Garten hatten. Wenn wir da hin und wieder hinein durften, dann war das schon ein Privileg. Doch die meisten Kinder stammten aus Arbeiterfamilien, da unser Vater aber Beamter war, durften wir nie mit diesen Kindern spielen. 

Nun, ihr habt doch nicht im Ernst gedacht, dass es diesen „Wahnsinnsdünkel“ nicht gegeben hätte. Und ob! Dass wir Kinder darunter furchtbar gelitten haben, interessierte unsere Eltern nicht. Nach Hause konnten wir kaum Kinder mitbringen und wenn, dann durften wir uns kaum rühren, denn die Hausleute wollten keinen Kinderlärm! 

Meine Freundinnen losten jeweils aus, wer fragen würde, ob ich zum Spielen kommen dürfe, so gross war die Furcht vor meiner Mutter. Ich weiss, jetzt werden viele von euch den Kopf schütteln, aber damals existierte eben noch der unbeugsame Gehorsam, so wie vor dem Kriege. Kinder hatten den Mund zu halten und das zu tun, was man ihnen sagte. 

Nun, wer wundert sich eigentlich, dass es dann in den 60ern zur allgemeinen Rebellion und Aufbruch der Jugend kam? Wäre dies nicht passiert, unsere Eltern hätten alles so weitergeführt, wie es vor dem Kriege war! Doch natürlich gab es auch andere Erlebnisse, die nicht unbedingt lustig waren, aber denen man eine gewisse Ironie und eigene Komik nicht absprechen kann. Dies aber auch das nächste Mal.

Du hast den ersten Teil verpasst? >>>Der Krieg ging - die Hölle blieb

Zum Teil 3 geht`s hier weiter >>> Zugfahrten im Gepäcknetz




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