Der Fall Uwe Barschel...

... oder wenn Politiker Opfer ihrer eigenen Lügen werden. Politker sorgen tagtäglich für Schlagzeilen - gute wie leider auch viele negative. Bereits seit fast 25 Jahren sorgt der Name eines verstorbenen Politikers immer wieder für viel Rummel. Uwe Barschel. Wohl einer undurchsichtigsten Fälle in der deutschen Politikgeschichte. Selbstmord oder Mord? Der Fall Uwe Barschel.



Ich habe eigentlich schon viel darüber geschrieben, dass man leider sehr wenigen Politikern, hohen Beamten im Staatsdienst usw. vertrauen kann und es hat sich auch immer wieder bestätigt, dass früher oder später fast alle ihren Hut nehmen mussten. Natürlich gibt es auch solche, die mit bestem Wissen und Gewissen versuchen, die ihnen gestellten Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit zu erledigen, soweit es in ihrer Macht steht. 

Leider werden sie dabei oft auch aus den eigenen Reihen daran gehindert. Doch wenn ein junger dynamischer und erfolgreicher CDU-Politiker sich in unlautere Machenschaften verstrickt, dann ist seine Niederlage vorprogrammiert. Und so hat dieser Politiker wohl zu hoch gepokert, hat sich selbst das Grab geschaufelt aus dem er dachte, er könne sich von seinen unlauteren Machenschaften befreien und so fing er sich selbst im Netz der Spinne. 

Mit diesem Politiker meine ich den CDU-Ministerpräsidenten Uwe Barschel, der am 11. Oktober 1987 im Nobel Hotel „Beau-Rivage“ in Genf zu Tode kam. So nahm eine Laufbahn, die so hoffnungsvoll begonnen hatte, ein jähes und erschreckendes Ende. Viel ist über diesen Tod gerätselt worden, war es Selbstmord, war es Mord? 


Soviel man heute weiss, hat Barschel wohl etwas vorgetäuscht, was aber dann leider anders ausging, als er es sich gedacht hatte. So sah man doch den Schlüssel zu dieser Frage in einen politischen Skandal, der diesem Todesfall vorausgegangen war und der Schleswig-Holstein sowie die ganze Republik erschüttert hatte. 

Kurz vor der Landtagswahl im nördlichsten Bundesland hatte Rainer Pfeiffer – er war Medienreferent des CDU-Ministerpräsidenten Uwe Barschel – berichtet, dass sein Chef unglaubliche Machenschaften gegen den Oppositionsführer, den SPD-Politiker Björn Engholm, in Gang gesetzt hatte. Pfeiffer erzählte, dass man Engholm ausspionieren liess, dass man ihn in anonymen Briefen als Steuerhinterzieher brandmarkte, dass man eine Wanze an Barschels Telefon angebracht hatte, um dies der SPD anzulasten. 

Als der „Spiegel“ diese Geschichte am 13. September 1987, einen Tag vor der Wahl, berichtete, war die Niederlage von Barschel besiegelt. Die CDU verlor die absolute Mehrheit. Man muss dazu noch wissen, dass Rainer Pfeiffer bei diesem Wahlskandal eine sehr zwielichtige Rolle spielte. Zwar machte er die unlauteren Handlungsweisen des Oppositionsführers publik, war aber an den Machenschaften offenbar selbst aktiv beteiligt. 

Was nach diesem 13. September 1987 dann geschah, lässt sich chronologisch genau auflisten: Fünf Tage nach der Wahl, am 18. September, hielt Barschel seine berühmt gewordene Pressekonferenz ab, in der er seine Unschuld beteuerte und sein Ehrenwort gab, dass er die reine Wahrheit sage, doch am 25. trat er, als noch amtierender Ministerpräsident, zurück. 

Dann flog er in den Urlaub nach Gran Canaria und kurze Zeit später weiter nach Genf. Am 12. Oktober, einen Tag nach seinem Tod, hätte er sich vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss wegen des Wahlskandals verantworten müssen. In Genf liefen nach dem Auffinden der Leiche die Ermittlungen an. 

 
Die Obduktion ergab, dass Barschel an einer giftigen Mixtur aus fünf verschiedenen Arzneimitteln gestorben war. Zwar fand man keine Medikamentenpackungen, dennoch kam die Schweizer Polizei aufgrund der Umstände des Todes zu der Ansicht, dass ein Fall von Selbsttötung vorlag. Und wie schon so oft, gab sich die Polizei wohl zu schnell mit dieser offiziellen Version zufrieden. 

Barschels Familie hingegen ging von einem Mord mit politischem Hintergrund aus. Angeblich hatte Barschel sich mit einem Informanten getroffen, der in der Lage gewesen wäre, ihn zu entlasten. Ausserdem hatte er kurz vor seinem Tod sowohl seiner Frau als auch seinem Bruder telefonisch erklärt, er habe Angst, dass ihm etwas zustossen könnte. 

Nun, diese Angst war sicher nicht unbegründet, denn im Laufe der Ermittlungen stiess man auf mehrere Anhaltspunkte, die für eine Mordthese sprechen. So war von einem südafrikanischen Killerkommando die Rede, das tätig geworden sei, um unerlaubte Waffengeschäfte mit U-Booten zu vertuschen. Eine andere Version brachte den israelischen Geheimdienst Mossad ins Spiel, der angeblich die Ermordung Barschels veranlasst hätte, weil dieser zuviel über ein geheimes Waffengeschäft wusste. 

Weitere Varianten stellen eine Verbindung zum Irak und zum Iran her – offenbar hatten sich kurz vor Barschels Tod einige iranische Waffenhändler in Genf getroffen -, sowie Verbindungen zu Nordkorea, zum amerikanischen Geheimdienst CIA, der sich ebenfalls genau zu diesem Zeitpunkt in Genf befand und zur italienischen Mafia. Die Behörden gingen allen Spuren zwar nach, aber sie fanden keine Indizien, die eine Mordtheorie erhärtet hätte. 

Inzwischen weiss man, dass Barschel scheinbar selbst sich mit Markus Wolff, Chef des gefürchteten SED-Geheimdienstes, in Verbindung gesetzt hat, um einen Anschlag auf sein Leben zu inszenieren, um sich nicht dem Untersuchungsausschuss stellen zu müssen. So kam getarnt ein Mann zu ihm ins Hotel, der sich „Robert Roloff“ nannte, aber anscheinend nicht Markus Wolff war, der ihm statt der Medikamente, die Barschel nur bewusstlos machen sollten, das tödliche Gift gab. 

Die Witwe Barschels gab an, dass ihr Mann mit dem Bundesnachrichtendienst zusammengearbeitet habe. Sie engagierte einen Privatdetektiv, der herausfand, dass sich der Politiker oft in der DDR aufgehalten hatte. Dort habe er Kontakt mit mehreren Personen gehabt, die mit der Stasi in Verbindung standen. Nachdem erneute Untersuchungen ergeben hatten, dass einige der Arzneimittel möglicherweise erst nach Barschels Tod in seinen Magen gelangt waren, nahmen die deutschen Behörden die Ermittlungen wieder auf. 

Man wollte klären, ob ein Selbstmord nur vorgetäuscht werden sollte. Doch es konnte nichts Derartiges festgestellt werden. Es gibt keine hinreichenden Erkenntnisse, die gegen eine Selbsttötung sprechen. Was immer auch passiert sein mag und obwohl der Medienreferent Pfeiffer einen grossen Teil dazu beigetragen hat, so hat doch die politische Verantwortung bei Uwe Barschel gelegen. 

Und so wurde durch unglaubliche Machenschaften, Verleumdungen und Lügen ein Leben gewaltsam zerstört, was vielleicht – hätte man sich doch zur Wahrheit entschlossen – einen anderen Verlauf nehmen hätte können. Ob das den heutigen Politikern als Warnung dient ist kaum anzunehmen!


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3 Kommentare, Tipps & News von LeserInnen:

  1. Und wer ist jetzt der Mörder?

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  2. Keiner. Laut dieser Theorie hätte es wohl ein simuliertes Attentat sein sollen. Wobei mir nicht ganz ersichtlich ist weshalb die Witwe dann doch auf Mord plädiert.

    Die Theorien rund um Barschels Tod sind Legion. Mit der Weckruf-Theorie es sei die CIA gewesen geh ich auch nicht konform. Immer alles auf die CIA und den Mossad zu schieben, ist zu einfach. Da war der Barschel wohl ein ganz schönes Stück zu klein - und die Typen dort machen es sicher so profesionell, dass keine dilettantischen Spuren zurück bleiben.

    Da wollte wohl ein kleiner Fisch ganz wichtig auf Hai machen, und das ging aus welchem Grund auch immer schief.

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  3. Kein Wunder ist dieser Fall ungeklärt. Klingt ein wenig kompliziert die Sache. Hat er sich jetzt doch selbst gerichtet?

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