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#nicht immer brav aber...immer wOw


Grabeskirche in Jerusalem. Die Wächter sind Muslime

Muslime im Dienste der Christenheit - jetzt denkst du sicher, was schreibt denn die da, aber so abwegig es auch klingen mag, ist es gar nicht. Denn ein Muslim bewacht das grösste Heiligtum der Christen. Als Einziger darf Wajeeh Nuseibeh die Grabeskirche in Jerusalem aufschliessen

Tradition seit Jahrhunderten. Der Wächter der christlichen Grabeskirche 
ist ein Muslim - Wajeeh Nuseibeh.

Die Grabeskirche oder auch "die Kirche vom heiligen Grab" steht dort, wo einst Golgatha war, der Hügel, auf dem Jesus von Nazareth gekreuzigt worden sein soll. Archäologen haben hier tatsächlich eine über 2000 Jahre alten Hinrichtungsstätte nachgewiesen. 

Wenn über Jerusalem gerade die Sonne aufgeht, dann schiebt Wajeeh Nuseibeh den Schlüssel in das schwere Schloss des Holzportals. Da der Mann sehr klein ist, muss er auf eine Leiter klettern, die ihm ein Franziskanermönch durch eine Luke der Tür reicht. 
Währenddessen ruft aus der Ferne ein Muezzin die Muslime in der Stadt zum ersten Gebet des Tages. Und auch Wajeeh Nuseibeh macht sich gleich auf den Weg zur Moschee. Denn wie schon gesagt, Wajeeh Nuseibeh ist Muslim.

Er betet zu Allah, nicht zu Jesus Christus. Doch seine wichtigste Aufgabe verrichtet er im Dienst der Christen. "Niemand ausser mir darf die Kirche aufschliessen", sagt der 59jährige Nuseibeh. Am Morgen wird sie geöffnet und am Abend schliesst er sie wieder zu. Das Gotteshaus, an dessen Stelle Jesus gekreuzigt worden sein soll, ist das grösste Heiligtum der Christen

Es ist ein Kuriosum und zugleich eine Tradition, die weit ins frühe Mittelalter zurückreicht. Als nämlich Muslime 638 n. Chr. Jerusalem einnahmen, machte Kalif Omar eine Familie aus dem Umfeld des Propheten Mohammeds zu Pförtnern der Kirche. Diese waren die Vorfahren der Nuseibehs. Sie haben die Kreuzzüge und das Osmanische Reich bis ins heutige Israel überdauert.




Die weitverzweigte Familie zählt heute zu den einflussreichsten im Nahen Osten. Zwar wird der Schlüssel noch von einem zweiten Muslim gehütet, aber aufschliessen dürfen nur die Nuseibehs.

Wie seine Vorfahren musste Wajeeh Nuseibeh immer wieder zwischen den christhlichen Konfessionen schlichten. Sechs christliche Glaubensrichtungen - Griechisch-Orthodoxe, Römisch-Katholische , Armenier, Syrer, Kopten und Äthiopier - teilen sich die Grabeskirche

Doch immer wieder tobt erbitterter Streit um die Einhaltung der Gebetszeiten oder den Zugang zum Heiligen Grab. Und nicht nur das, sogar Schlägereien zwischen all den "Gläubigen" hat Nuseibeh schon miterlebt! Welch eine Schande! Soll das christlich sein? 

Wajeeh Nuseibeh bringt das alles nicht mehr aus der Ruhe. Er verrichtet pflichtbewusst seinen Dienst, bis eines Tages sein Sohn Obid das Amt übernimmt. Und auch der wird darüber wachen, dass die Grabeskirche das bleibt, was sie sein sollte: ein stiller Ort des Gebets.






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