Mit Liebe geht es nicht immer

Ein paar Gedanken zum Brief von Gerd an Theresa Enke. Es ist ganz bestimmt schwer und kaum zu ertragen, wenn einem so Schicksalsschläge treffen, wie es bei Teresa Enke der Fall war. Zuerst die Tochter Lara, dann der Selbstmord ihres Mannes Robert und jetzt ihr Bruder, der nach einer Lungenembolie und Herzstillständen starb. Du, lieber Gerd, schreibst, "was musst du nur alles" aushalten - und da gebe ich Dir Recht. Aber eines vergisst Du dabei! 


Was müssen jeden Tag Tausende von Menschen aushalten, die ihre Väter, Söhne, Frauen, Kinder im sinnlosen Gemetzel eines Krieges verlieren oder durch andere brutale Morde?

Wenn Kinder sich das Leben nehmen, dann habe ich dafür keine Worte mehr, dann haben wir Erwachsenen total und gänzlich versagt und dafür kann und darf es keine Entschuldigung geben. Wer kümmert sich um diese Menschen? 

Ich selbst empfinde tiefes Mitleid mit Teresa, aber trotzdem denke ich, dass sie nicht alleine dasteht, dass sie viele Freunde und Menschen hat, die sie nicht allein lassen und vor allem denke ich, dass sie eine starke Frau ist, die trotz allem ihr Leben wieder meistern wird. 

Dass ihr Kind und ihr Bruder gestorben sind, das sind Schicksalsschläge, denen man nicht ausweichen kann, dass ihr Mann nicht mehr weiterleben wollte, das hat er ganz allein entschieden. Darum muss man es akzeptieren und respektieren. Er war alt genug, um zu wissen was er tat. Wenn er keinen Ausweg mehr gesehen hat, dann war es für ihn wohl nur der einzige Weg, den er zu gehen bereit war.

Es ist schrecklich, denn man denkt immer, vielleicht hätte man das oder das tun können und dann wäre es anders gelaufen. Wenn jemand jedoch einfach nicht mehr will, hilft auch alle Liebe nichts. Denn diese Liebe kann derjenige nicht mehr sehen und nicht mehr annehmen. Für ihn ist der Tunnel ohne Licht am Ende! 

Verstehen kann das nur, wer selbst schon in der gleichen Situation war! Vielleicht hatte man das Glück, dass man noch vor dem letzen endgültigen Schritt zurückgeschreckt ist, vielleicht wurde man sich in letzter Sekunde der Verantwortung bewusst, welche man gegenüber der eigenen Familie und Kinder hat und vielleicht hatte man in letzter Sekunde diesen Lichtblick, der uns bewusst machte, dass es wert ist weiterzuleben. 

Vielleicht sollte man auch viel früher aufhören mit Gewalt etwas weiterzuführen, was nichts bringt. Damit meine ich eine Arbeit, die einen auffrisst, die den letzten Nerv raubt und die einen kaputt macht. Aber vielleicht dachte Robert Enke auch, er müsste weitermachen, er müsse weiterhin DER Nationalwart sein, das war sicher ein Fehler! Es hätte sicher andere Möglichkeiten gegeben, auch war er noch jung genug, um einer anderen Arbeit nachzugehen. 

Aber natürlich kann man nie urteilen, denn wenn ein Mensch in solch tiefen Depressionen verstrickt ist, findet er leider oft keinen Ausweg mehr. Dann ist da nur mehr ein schwarzes Loch und alles was nebenher geschieht, wird nur mehr im Nebel wahrgenommen. Das Furchtbare daran ist, dass man auch die ganze Familie mit in den Abgrund reisst und man es gar nicht bemerkt. Und passiert es dann doch noch, ist es meistens schon zu spät. 

Darum sollte man sich so früh wie möglich helfen lassen, schon wenn man die ersten Anzeichen bemerkt. Doch es braucht professionelle Hilfe, leider hilft dann auch die LIEBE des Partners nichts mehr, sondern für diesen bleibt nur ein Schrecken ohne Ende. 

Wenn aber keine Hilfe mehr etwas erreicht und keinen Zugang mehr findet, dann ist – so schrecklich es auch klingt – ein Schrecken mit Ende oft der humanere Ausweg.




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