Meine Kindheitserinnerungen. Von Schnee und anderer Kälte

Wie das letzte Mal beschrieben, mussten wir immer einen ziemlich weiten Weg unter die Füsse nehmen, wenn wir mit Schi unterwegs waren. Doch der Berg war zu den Zeiten meistens sehr belebt mit Kindern und wir hatten unseren Spass. Als einmal meine Schwester und ich fast alleine beim Fahren waren, stürzte sie so schwer, dass sie liegen blieb. Ich versuchte ihr aufzuhelfen, aber sie schrie nur und weinte. Die Vermutung lag nahe, dass sie etwas gebrochen hatte. Meine Kindheitserinnerungen Teil 5.

Erfinderisch musste man sein ... ;o)

So legte ich meinen Anorak unter sie und lief den ganzen Berg hinunter, so schnell ich nur konnte, zu meiner Tante, die ein Stück näher wohnte als meine Eltern, um eine Rodel zu holen. Dann keuchte ich den Berg wieder hinauf, packte meine Schwester so gut es ging auf den Schlitten, beide Schis musste sie auch noch halten und die Stöcke und zog sie den Berg hinunter. 

Wobei „zog“ wohl ein falsches Wort ist! Ich musste mich immer dagegen stemmen, weil es ja abwärts ging. Dazu muss ich noch sagen, ich war drei Jahre jünger als meine Schwester, klein und schwächlich. Meine Schwester dagegen war ein kräftiges Mädchen. Wie ich das schaffte, weiss ich nicht mehr, aber ich brachte sie heim und von dort ging es dann ins Krankenhaus. Sie hatte einen Fuss gebrochen und sogar den Arm.

Aber zu dieser Zeit kam halt kein Helikopter und kein Erwachsener hätte Zeit gehabt, um mitzulaufen. Wir Kinder mussten damals vieles selbständig meistern. So ging ich an schulfreien Nachmittagen auch alleine los und traf oft die ganze Zeit nicht auf einen einzigen Menschen. Eigenartigerweise hatte ich nie irgendein Angstgefühl, im Gegenteil, ich genoss es so richtig, das Alleinsein und den Frieden im tief verschneiten Wald.

Doch eines Tages sollte sich das ändern und von nun an war es mit den Schiausflügen vorbei! Als ich einmal von der Schule heimkam, war meine Mutter ganz aufgeregt und erklärte mir, dass ich von nun an nicht mehr alleine fort dürfe. Da das sowieso sehr selten geschah, war ich natürlich traurig und enttäuscht. Aber dann erzählte mir meine Mama, dass ein Mädchen ermordet worden war. 

Zufällig war dieses Mädchen die Kusine von meiner besten Freundin und ich war sehr geschockt. So etwas war natürlich in unserer Stadt das Gesprächsthema Nummer 1 und die Leute regten sich furchtbar auf. Man hat den Mörder gefunden. Es war ein Bursche von der Gegend, wo wir immer Schi fuhren und er gestand, ein Liebespärchen beobachtet zu haben, wobei er die Knie von der jungen Frau gesehen hätte. Das hätte ihn so erregt, dass er dann dem kleinen Mädchen auflauerte, es missbrauchte und erstach. (Mein Gott, was müssten da heute für Morde geschehen, nur wegen ein paar nackter Knie!) 

So wurden wir auch in der Schule gewarnt, ja nie irgendwohin alleine zu gehen. Das blieb uns Kindern natürlich bis ins Innerste tief haften, genau so wie ein anderes Geschehnis, welches einem Besatzungssoldaten das Leben kostete. 

Es war ein Marokkaner, der unter den Franzosen stationiert war. Auch er hatte eine Frau vergewaltigt! Sie machte Anzeige bei den Obersten und diese liessen alle Soldaten antreten. Die Frau erkannte ihren Peiniger und er wurde auf der Stelle vor ihr erschossen. Diese Ereignisse waren für uns Kinder so prägend, dass wir sie wohl nie vergessen haben. 

Das nächste Mal:  „da“, „njet“, „spasiba“ und „do svidaniya“! 

Ich wurde älter und plötzlich war ich nicht mehr das liebe Kind. Ich begann über vieles nachzudenken und zu hinterfragen und musste plötzlich erkennen, wie verlogen alles war. So wie die Filme, die sie noch im und nach dem Kriege spielten, um eine scheinbar heile Welt vorzutäuschen. Und so wurde ich ein richtiger Rebell! Aber auch dies ein andermal!

Teil 4 von "Meine Kindheitserinnerungen" kannst du >>>hier nachlesen
Teil 6 von "Meine Kindheitserinnerungen" kannst du >>>hier nachlesen




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