Meine Kindheitserinnerungen. Weihnachten zu Ostern

Wie gesagt, ich war ein sehr kränkliches Kind und daher auch sehr oft im Spital. Dreijährig wurde ich so schwer krank, dass ich fast neun Monate im Spital verbrachte. Der Behandlung eines einzigen Arztes habe ich es zu verdanken, dass ich überlebte. Da dies gerade über die Weihnachtszeit war und ich erst zu Ostern das Spital verlassen konnte, wurde das Christkind eben an Ostern gefeiert - meine Kindheitserinnerungen Teil 4.

  
Der Tannenbaum stand noch, man hatte ihn so lange aufgehoben, dies war nur möglich, weil damals eiskalte Winter waren und kein Zimmer eine Heizung hatte. Wie viele Nadeln noch daran waren, das kann ich beim besten Willen nicht sagen, aber eines weiss ich noch genau. Alle Süssigkeiten hingen noch daran, meine Schwester hatte kein einziges Stück herunter genommen, sie wollte warten, bis ich komme. Das war noch wahre Schwesternliebe, jedenfalls zu dieser Zeit! ;o) 

Auch in der dritten Volksschule fehlte ich über ein halbes Jahr. Mutter meinte, sie müsste mich für ein Jahr zurücksetzen, aber meine Lehrerin war da ganz anderer Ansicht. Und sie hatte Recht. Im Zeugnis standen lauter Einser. Da war ich wieder mal für eine Zeit lang das „liebe“ Kind, wie immer, wenn ich gute Noten brachte. War aber einmal eine schlechte dabei, sprach meine Mutter oftmals mehr als eine Woche kein Wort mit mir. Das war das Schlimmste!

Am meisten Furcht hatten meine Schwester und ich, wenn Schulschluss war und die Zeugnisse verteilt wurden. Und obwohl wir sicherlich nicht schlecht in der Schule waren, wurden wir den Forderungen unserer Eltern nie gerecht!

Vielleicht ist dies der grosse Fehler von den Eltern, dass sie ihr eigenes Unvermögen als Wunschvorstellung in die Kinder hineininterpretieren wollen, aber das kann niemals gut gehen. Jeder ist ein eigenständiger Mensch, mit eigenen Vorstellungen und Wünschen. Man kann nur beratend zur Seite stehen und versuchen so gut es geht, dem Kinde Hilfestellung zu geben.

Ostern und Weihnachten waren eigentlich immer der reinste Horror! Und obwohl unsere Mutter das ganze Jahr über sparte und beim Ausverkauf schon Sachen vorsorglich für uns erwarb und wir dadurch doch relativ viele Geschenke vom „Christkind“ bekamen, hatten wir keine Freude daran.

Warum? An Feiertagen wurde immer gestritten, das lag wie ein böses Omen in der Luft, manchmal denke ich, es wäre besser gewesen, wenn sich meine Eltern getrennt hätten. Lag es am Altersunterschied, am Krieg, an deren schlimmer Kindheit, ich weiss es nicht. Sicherlich an allem etwas!

Einmal wünschte ich mir so sehr einen Teddybär, das war mein einziger und riesengrosser Wunsch. Und was soll ich sagen! Als wir ins Schlafzimmer zur Bescherung durften, was sass da auf dem Diwan? Ein wunderschöner Teddybär mit einer grossen gelben Masche! Ich wusste vor Freude nicht mehr aus noch ein, sah nur mehr meinen Teddy, drückte ihn herzlich und wusste mein Glück kaum zu fassen...

... Doch dann stürzte ich wohl in den tiefsten Abgrund, der in meinem Alter möglich war. Mein Vater nahm ihn mir aus den Armen, setzte ihn aufs Bett und sagte: Von nun an bleibt er da sitzen, denn sonst wird er nur von dir zerzaust. Ich durfte meinen Teddy sicher erst nach Jahren wieder anrühren, aber da wollte ich nicht mehr!

Manchmal hatte Vater auch seine guten Tage. Besonders in der Winterszeit, wenn es schon früh dunkel wurde, dann erzählte er uns Geistergeschichten. Es handelte sich dabei eigentlich immer um Soldaten. Besonders eine ist mir sehr lange im Gedächtnis geblieben: Sie hiess: „Die silberne Prothese!“

Natürlich hatte ich keine Ahnung, was eine Prothese ist, ich bekam nur mit, dass der Soldat sein Bein im Krieg verloren hatte und er durch irgendein krummes Geschäft mit dem Teufel eine silberne Prothese bekam. Diese wollte er aber dann unbedingt wieder vom Soldaten zurück, der sie ihm aber nicht gab. Und so kam es, dass der Teufel den Soldaten selbst holte.

Dies alles machte mein Vater immer spannend, er erzählte auch immer in der dunklen Küche und zum Schluss packte er uns und wir Kinder schrieen fürchterlich, aber trotzdem wollten wir immer und immer wieder diese Geschichte hören. Na ich sehe schon, wie die Leser grinsend den Kopf schütteln, aber so war es halt einmal!

Leider hatte unser Vater sehr selten bis kaum Zeit für uns und leider fanden wir auch sehr schwer den Weg zueinander, was mich sehr schmerzt, denn ich denke, er wusste es halt nicht besser! 

 Und so sehr wir uns auch oft über unsere Mutter ärgerten, eines muss ich aber unbedingt festhalten. Sie war eine wunderbare Köchin, sie zauberte fast aus nichts ein einfaches, aber gutes Essen, sie konnte Kuchen und Torten backen, besser als jeder Konditor und sie nähte uns aus jedem kleinen Stoff etwas Hübsches zum Anziehen.

Auch strickte sie uns Pullover und Jäckchen, von einer Wolle, die sie immer wieder auftrennte, wenn uns etwas zu klein geworden war, um etwas Neues daraus zu machen. Wir waren immer sauber gekleidet, obwohl ich mich mit Schrecken an die gestrickten Strümpfe aus Schafwolle erinnere, die so schrecklich kratzten, dass ich mir die Schenkel blutig kratzte.

Man trug damals natürlich noch Strumpfhalter – nicht die reizvollen wie manche Damen heute – nein, nein, ganz fürchterlich schlichte und zwischen dem Halter und den Strümpfen war immer ein Stück nackte Haut und so froren wir natürlich im Winter ganz schrecklich.

Das Beste am Winter war das Schi fahren! Wir mussten sicher 2 Stunden, wenn es überhaupt reicht, durch einen Wald den Berg hinauf gehen, mit ganz schweren geschnürten Schischuhen, die Holzschi auf dem Rücken, die Schistöcke waren Haselnussstecken mit so einem komischen Tellerrand unten und der Anorak ging uns bis über die Knie (er musste ja für mindestens ein paar Jahre passen)!

Aber was soll’s! Wir hatten die Säcke voll Naschereien vom Christbaum und so störte uns das alles nicht! Wenn ich heute die jungen Leute sehen, die elegant mit dem Lift den Berg hinauffahren und ebenso hinunter, dann denke ich, die haben keine Ahnung, was Schisport früher wirklich war! Denn der begann im wahrsten Sinn des Wortes, schon mit dem Aufstieg!

Das nächste Mal geht’s weiter!

Den dritten Teil verpasst? >>>Meine Kindheitserinnerungen Teil 3

Und hier kannst du den fünften Teil weiterlesen >>>Von Schnee und anderer Kälte



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