Was geschah mit der Concordia?

Es war an einem Nachmittag im Februar 2010. Der Segler Concordia, ein Dreimaster mit unter anderem 48 kanadischen Teenagern eines Schulungsprogramms an Bord, befand sich etwa 500 Kilometer vor der brasilianischen Küste, als er plötzlich zur Seite kippte. Wie erwartet richtete sich die Concordia wieder auf - kippte dann aber erneut zur Seite! Bis heute ist nicht ganz klar, warum das Schiff dann innert Sekunden zu sinken begonnen hatte - was geschah mit der Concordia?

Die Concordia im Jahr 2007.
Alles was nicht befestigt war, flog umher. Die Fenster verschwanden in den Fluten und zerbarsten unter dem Wasserdruck. Eiskaltes Wasser ergoss sich das Schiff und die Concordia fing an sofort zu sinken.

Es herrschte absolutes Chaos. Denn das Schiff lag nun auf der Seite, war bereits am Sinken und nichts war so wie man es auf einer Rettungsübung gelernt hatte. Mehrere Personen holten aus dem bereits überfluteten Notfallraum Überlebensanzüge und Schwimmwesten. 

Die sinkende Concordia befand sich mitten im Südatlantik, die nächst gelegene Stadt war Rio de Janeiro. Zu allem funktionierte das Funkgerät nicht mehr! Das erste Rettungsfloss legte mit 20 Leuten in der Nähe des Hecks ab, nach etwa 30 Minuten waren alle von Bord. Das erste Floss trieb ab, war nicht mehr auszumachen, doch die anderen drei Flosse blieben zusammen. 

Dann mussten alle fassungslos mit ansehen, wie ihr schwimmendes Zuhause in den Fluten versank. Die Mannschaft versuchte ihr Bestes um die Schüler zu besänftigen und zu beschäftigen. Glücklicherweise entdeckte der Bootsmann Geoff Byers die Seenotfunkbake des Schiffs (EPIRB) im Meer. Beherzt sprang er ins Wasser, ergriff sie und schwamm zurück. Und sie funktionierte! 

Nur kurze Zeit später waren Such- und Rettungsteams auf die verzweifelte Lage der Schiffbrüchigen  aufmerksam gemacht. Doch die Überlebenden auf dem ersten Rettungsfloss wussten nichts von Fund der Funkbake und sahen sich schon als verloren. Sie verbrachten eine schreckliche Nacht, es regnete in Strömen. 

Die Situation auf den einsamen Flossen wurde immer prekärer. Die Wellen waren inzwischen so heftig, dass die Insassen wie Puppen hin- und hergeschleudert wurden und sie immer wieder mit den Köpfen gegeneinander knallten. 

Endlich, gegen 20 Uhr des zweiten Tages,  hörten die Überlebenden der Concordia das ersehnte Geräusch eines Flugzeuges! Sie schossen ein Leuchtsignal ab und sahen zu ihrer Erleichterung, dass in einiger Entfernung ein anderes Leuchtsignal abgeschossen wurde. Also war das andere Floss irgendwo dort draussen. Das Flugzeug wiederum gab Signale, um zu zeigen, dass sie gesichtet worden waren. 

Die Schiffbrüchigen jubelten, mussten aber noch eine weitere stürmische Nacht in den Flössen verbringen. Sie mussten ununterbrochen Wasser schöpfen und fragten sich, wo denn die Retter blieben. Endlich, am 19. Februar um drei Uhr morgens, erschienen die Lichter des Frachters "Hokuetsu Delight", der von Brasilien kam. 

Nach Stunden unendlicher Mühen, den Frachter trotz hohen Wellengangs in eine geeignete Position zu bekommen, schafften es die Schiffbrüchigen mit zittrigen Beinen die Strickleiter des Schiffs hoch zu klimmen. Auch die Schüler des anderen Flosses wurden durch andere Schiffe geborgen. 

Es war unendliches Glück, dass alle 64 Menschen, Schüler, Lehrer und Seeleute gerettet werden konnten. Trotzdem blieben noch Monate nach dem Untergang der Concordia Fragen zur Katastrophe offen. Die Sicherheitsbehörden von Kanada und Barbardos, unter dessen Flagge das Schiff fuhr, führten die Untersuchungen durch. 

Man fand Hinweise, dass das Schiff von einem Fallwind enormer Stärke getroffen worden war. Dieser entsteht, wenn trockene Luft auf ein Gewitter trifft. Der Regen verdunstet in dieser, die infolgedessen schnell abkühlt und sinkt. Dadurch entsteht ein lokal begrenzter Fallwind, der wie eine riesige Faust auf das Wasser trifft. So wurde die Concordia auf die Seite geworfen. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand dabei ernsthaft zu Schaden gekommen war.




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