Brief von Gerd - Lieber Timo Konietzka - mit Dignitas oder Exit in den Tod!

habe mir schon länger überlegt, ob ich mich mit einem "Brief von Gerd" an dieses schwierige Thema annähern soll. Heute habe ich mich dazu entschieden, als ich lieber Timo Konietzka einen Bericht über deinen Todestag gelesen habe. Du hast ihn mit frischem Brot und Champagner begonnen.

Exit - ein Weg, das eigene Leben zu beenden.....
Du warst ein Kind der deutschen Fußball-Bundesliga. Die Erfolgsgeschichte der Bundesliga begann ja 1963 und du gingst in diese Fußballgeschichte ein, als du für Dortmund am 24. August 1963 beim Spiel zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund in der ersten Spielminute das erste Tor der neu gegründeten Bundesliga erzieltest.

Im Alter von 73 Jahren wurde bei dir ein unheilbares Gallenkarzinom festgestellt. Am 12. März 2012 setztest du mit Hilfe der Schweizer Sterbehilfeorganisation Exit, bei der du seit 2001 Mitglied warst im Beisein deiner Frau deinem Leben ein Ende.

Heute habe ich wie gesagt darüber gelesen, wie dein letzter Lebenstag abgelaufen ist. Ich fasse kurz zusammen, was deine Frau über diesen Tag der BLICK-Zeitung sagte.

Timo stand schon mitten in der Nacht auf, fragte: „Wann kommen die von Exit jetzt?“ Ich sagte ihm, das dauere noch, es sei noch Nacht. Wir sind dann morgens um halb sechs Uhr aufgestanden. Timo wollte noch mal frisches Brot haben. Ich bin losgefahren zum Bäcker und wählte ein dunkles und ein helles Brot aus, von denen ich wusste, dass Timo es gern hat. 

Dann haben wir gefrühstückt, er nahm drei Scheiben von beiden Sorten. Wir tranken Champagner. Dom Pérignon, nur das Beste. Wir haben uns zusammen nochmals ein bisschen hingelegt. Und dann haben wir zu Mittag gegessen, ein Piccata mit Risotto. Dann hat er seine Kette abgenommen und mir um den Hals gelegt. Ich werde sie nie mehr ausziehen. 

Später saßen wir hier alle zusammen an diesem Tisch, haben noch ein Glas Champagner getrunken. Dann stand Timo auf und sagte: „Also!“ Wie muss man sich diesen Trunk vorstellen? Das sind etwa zwei Schlücke. Es schmeckt sehr bitter, deswegen habe ich ihm noch ein Glas Sirup gebracht. Ich hätte den Trunk ja runtergestürzt, aber Timo nahm mal einen Schluck, schaute das Glas nochmals an, nahm wieder ein Schlückchen. 

Dann ist er eingeschlafen wie bei einer Narkose. Es ging fast drei Stunden bis zum Tod. Eigentlich sollte es doch nur 10 bis 30 Minuten dauern. Ja, aber bei ihm waren es fast drei Stunden. Aber er ist so friedlich eingeschlafen. Er atmete mal schwerer, mal ein bisschen weniger. Dann sagte ich zu ihm: „Timo, du musst nicht mehr atmen. Geh zu deiner Mutter.“

Nach diesem Satz machte er seinen letzten Atemzug. Vorher sagte er dreimal zu mir: „Danke, dass du das für mich machst.“ Ich antwortete ihm: „Gern geschehen kann ich dir nicht sagen.“ Ich fing an zu weinen.

Schwierig für mich weiterzuschreiben - schwierig eine Wertung abzugeben, wo einem eine Wertung gar nicht zusteht. Trotzdem noch ein paar  Gedanken - Die meisten Menschen wünschen sich einen schnellen Tod. Doch 95 Prozent der Betroffenen erleben das Sterben als einen Prozess.

Entsprechend gross ist die Angst vor Schmerzen, vor Abhängigkeit und Kontrollverlust am Lebensende. In der Schweiz ist ein massiver Anstieg der Fälle von Sterbehilfe zu beobachten. Während die Zahl bei der Organisation Exit um 17 Prozent stieg, schnellte sie bei Dignitas sogar um 35 Prozent in die Höhe. Passive Sterbehilfe ist in der Schweiz erlaubt, solange keine „egoistischen Motive“ vorliegen.

Es gibt im Internet seitenweise Begründungen pro und kontra Sterbehilfe. Ich getraue mich irgendwie nicht, meine eigene Meinung abgzugeben. Das fällt mir normalerweise nicht sehr schwer, aber in dieser Sache bin ich zu wenig "belesen" und zu wenig gut informiert. Überlegen - was schreibe ich diesmal als Abschlusssatz meines Briefes?? Normal ist das ja eigentlich meist mein Lieblingssatz... aber diesmal?

Ich hab was gefunden - ich ende diesmal mit der Aussage von jemand Anderem - also an dieser Aussage ist was drann:

"Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer. Man ist sich seines Todes nicht mehr sicher."
Hanns-Hermann Kersten (1928-86), dt. Aphoristiker, Lyriker u. Literaturkritiker 

Jetzt kommt doch noch ein persönlicher Satz von mir - ich bin mir nicht sicher, ob wir Menschen das Recht haben, immer mehr in die göttliche Schöpfung einzugreifen - und jedenfalls die Geburt und der Tod eines Menschen ist Teil dieser göttlichen Schöpfung. Aber liege ich da richtig - oder falsch??? Ich weiss es nicht...

In Gedanken - euer G.Ender




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