Costa Concordia - erste gerichtliche Anhörung

Sieben Wochen sind seit der Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia vergangen. Im toskanischen Grosseto gingen am Samstag die Ermittlungen gegen den Veranstalter und neun Schiffsoffiziere in die nächste Runde. Und schon in der ersten gerichtlichen Anhörung kamen erschreckende Details zu Tage.

Costa Concordia. Inzwischen werden Betriebsmittel wie Treibstoff und Öle abgepumpt.
So gross das Medieninteresse auch war, so gering scheint die Motivation der Geschädigten zu sein. Denn von den 4230 Vorgeladenen Geschädigten und Angeklagten im Fall Costa Concordia fanden sich zur ersten gerichtlichen Anhörung kaum zwei Dutzend im Stadttheater von Grosseto ein.

Erwartungsgemäss blieb auch der unter Hausarrest stehende Kapitän Francesco Schettino der Beweisaufnahme fern. "Seine Sicherheit wäre hier nicht gewährleistet", so Verteidiger Marco De Luca. Kein Wunder, bei dem was alles herauskam.

So war zum Beispiel Alkohol offenbar nicht das einzige Laster der Crew: "Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Offiziere Kokain konsumiert haben", gab Valentina B., die mit Francesco Schettino zusammen auf einem anderen Schiff gearbeitet hatte, gegenüber den italienischen Untersuchungsbehörden zu Protokoll.

 Schettino blieb der ersten gerichtlichen Anhörung fern - aus Angst um sein Leben. 
Und tatsächlichen wurden in den Haaren von Schettino Rückstände von Kokain gefunden – zum Zeitpunkt des Unglücks vor der toskanischen Küste stand er aber offenbar nicht unter Drogen.

Ausserdem wurde publik, dass Schettino bereits im Juni 2010 ein Schiff "gecrasht" hatte. Damals liess er die Aida Blu viel zu schnell in den deutschen Hafen Warnemunde einlaufen - der Luxusliner krachte gegen die Hafenmauer. Auch damals hatte er allen anderen die Schuld gegeben - bis hin zu den Hafenbehörden, die ihn nicht über "Geschwindigkeitsbegrenzungen" informiert hätten.

Nach mehrstündigem Verhandlungen hinter verschlossenen Türen wurden von Untersuchungsrichterin Valeria die Angehörigen der Opfer, Passagiere und Besatzung, die Region Toskana, die Gemeinde Giglio sowie die Provinz Grosseto als Geschädigte zugelassen. Aussen vor bleiben Umwelt- und Konsumentenschutz-Organisationen.

Auch die Aida Blue wurde von Schettino "gecrasht". 
Fahrlässige Tötung in 32 Fällen, Verschuldung einer Havarie, Verlassen des Schiffs, Fehlinformation der Behörden sowie Zerstörung eines Naturschutzgebietes, so lauten die Vorwürfe der Staatsanwälte an Schettino.

Mit einem Prozess ist in dem Verfahren allerdings erst 2013 zu rechnen, bis zum rechtskräftigen Urteil könnten fünf Jahre vergehen.  Ob die Reederei Costa Crociere bis dahin überlebt, bleibt angesichts angekündigter Schadenersatzforderungen von rund 227 Millionen Euro abzuwarten.




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