Woher Redewendungen und Sprichwörter stammen

Jeder von uns verwendet immer wieder einmal Sprichwörtliches, Redewendungen, die bildhaft sowie kurz und prägnant genau das ausdrücken, was man mitteilen möchte. Und viele Redensarten sind im Lauf der Zeit ein so selbstverständlicher Bestandteil der Alltagssprache geworden, dass man sich kaum mehr Gedanken über ihren eigentlichen Sinn oder ihrer Herkunft macht. Woher Redensarten und Sprichwörter stammen, das erfährst du wenn du weiterliest.

Warum die Würfel gefallen sind? Erfährst Du weiter unten.
Manche Redensarten gehen auf Aussprüche berühmter Personen zurück oder sie stammen aus einer literarischen Quelle.

Bei anderen Wendungen  lässt sich die Herkunft heute nicht mehr feststellen, oder es gibt unterschiedliche Erklärungen für ihren Ursprung. 

Wieder andere sind durch Missverständnisse und Fehldeutungen so verändert worden, dass der gängige Wortlaut überhaupt keinen erkennbaren Bezug mehr zur Herkunft hat.

Wissen, wo Barthel den Most holt

Über diese Redensart ist viel gerätselt worden. Sie bedeutet so viel wie „sehr gerissen, durchtrieben sein, alle Schliche kennen“. „Ich werd Dir schon zeigen, wo der Barthel den Most holt.“

Das bedeutet so viel wie: Du musst nicht glauben, Du kannst mit mir machen was Du willst, ich werde mich zu wehren wissen!

Aber wahrscheinlicher ist, dass dieser Spruch aus dem Rotwelschen, der Gaunersprache, stammt:

Barthel kommt von Barsel und bedeutet so viel wie Brecheisen, Most von Moos, der rotwelschen Bezeichnung für Geld.

Eigentlich würde der Satz also eher bedeuten: wissen, wo man mit dem Brecheisen Geld holen kann.

Jemanden ins Bockshorn jagen

„Angst einjagen, jemanden einschüchtern“. Auch hier gibt es viele unterschiedliche Versuche, den Ursprung der Wendung zu erklären.

Eine Deutung knüpft auf ein altes germanisches Strafrecht an. Man zwängte einen Missetäter in eine Bockshaut und trieb ihn dann ausser Landes.

Die Bockshaut hiess althochdeutsch bokkies hamo – letzteres lebt heute noch in „Hemd“ fort.

Als man später die Bedeutung von hamo nicht mehr verstand, wurde daraus allmählich Horn, weil dies auch sinngemäss zum Bock zu passen schien.

Das Ei des Kolumbus

„Verblüffend einfache Lösung einer schwierigen Aufgabe“.



Hier steckt eine Anekdote dahinter. Bei einem Bankett wurde Christoph Kolumbus gefragt, ob es schwierig gewesen sei, die Neue Welt zu finden.

Daraufhin antwortete er, „dies sei so schwierig gewesen, wie ein Ei auf die Spitze zu stellen.“ Und er fragte die Anwesenden, wer es könne.

Alle schüttelten den Kopf, worauf Kolumbus das Ei so auf den Tisch klopfte, dass es auf der eingedrückten Spitze stehen blieb.

Damit wollte er eigentlich sagen, dass man nur im geeigneten Augenblick den richtigen Gedanken haben muss, dann liesse sich auch Schwieriges meistern.

Geld stinkt nicht

„Es spielt keine Rolle, woher Geld kommt.“ Der römische Kaiser Vespasian – er herrschte von 69 bis 79 – leitete eine rigorose Sparpolitik ein, um den Staatshaushalt zu sanieren.

Zu seinen steuerpolitischen Massnahmen gehörte auch, dass er die öffentlichen Bedürfnisanstalten mit einer Abgabe belegte.

Als sein Sohn Titus ihm deswegen Vorhaltungen machte, hielt Vespasian ihm die ersten Steuereinnahmen von den Latrinen unter die Nase und fragte ihn, ob es stinke, was Titus verneinen musste!

Kommt euch das nicht auch irgendwie bekannt vor???

Um des Kaisers Bart streiten

„Sich um Nichtiges, Nebensächliches streiten.“ Lange Zeit hat man die Herkunft dieser Wendung im Streit der Gelehrten um den Kaiserbart gesehen.

Fraglich ist jedoch, um welchen Kaisers Bart gestritten wurde. Ähnliche Redensarten in anderen Sprachen jedoch weisen den richtigen Weg zurück zu den Römern.

Der Dichter Horaz (65-8 v. Chr.) bezeichnete solche müssigen Fragen als Streit um „Ziegenwolle“, als Streit darum, ob Ziegenhaar wie Schafswolle als Wolle bezeichnet werden könne.

Ziegenhaar heisst im Mittel- und Süddeutschen Geissenhaar; daraus wurde Geissenbart, was schliesslich als Kaiserbart missverstanden wurde.

Das Kind mit dem Bad ausschütten

„Etwas übereilt oder so radikal tun, dass sich die gute Absicht ins Gegenteil verkehrt.“ Das Sprichwort tauchte schon in Sebastian Francks zweibändiger Sprichwörtersammlung von 1541 auf.

Darin rät er: „Das Kind soll man baden, danach das Bad ausschütten und das Kind aufheben und einwickeln.“

Vermutlich war es der Schriftsteller George Bernard Shaw, der durch mehrfache Verwendung diese Redensart schliesslich auch im Englischen bekannt machte.

Mit jemandem ist nicht gut Kirschen essen

„Mit jemandem ist nicht leicht auszukommen.“ Die heutige Redensart ist verkürzt; ein frühes Zeugnis für die ursprüngliche Wendung findet sich in der Fabelsammlung "Der Edelstein" des Dichters Ulrich Boner, der im 14. Jahrhundert in Bern lebte:

„Wer mit den Herren Kirschen essen will, dem werfen sie der Kirschen Stiele in die Augen.“

Ähnlich steht es auch bei Martin Luther in den Tischreden. In beiden Fällen bedeutet es, dass man im Umgang mit Höhergestellten vorsichtig und nicht allzu vertraulich sein sollte!

Nun, das gilt auch heute noch!

Das geht auf keine Kuhhaut

„Das ist ganz einfach unerhört, das ist der Gipfel.“

Nach einem alten Aberglauben führte der Teufel über jeden Menschen ein Sündenregister auf Pergament, ein Material, das teilweise noch bis ins 16. Jahrhundert verwendet und aus der Haut von Ziegen, Schafen oder Kälbern hergestellt wurde.

Wenn selbst die weitaus grössere Kuhhaut für das Sündenregister nicht ausreichte, musste die Zahl der Vergehen unbeschreiblich sein.

Den Löwenanteil bekommen

„Den grössten Anteil bekommen!“ In einer Fabel des griechischen Dichters Äsop (6. Jh. vor Chr.) gingen ein Löwe, ein Esel und ein Fuchs eines Tages gemeinsam auf die Jagd. Am Schluss sollte der Esel die Beute teilen.

Doch als er sie in drei gleich grosse Stücke zerlegte, wurde der Löwe wütend und richtete den Esel übel zu.

Nun kam die Reihe an den Fuchs, jedem seinen Anteil zuzumessen. Daraufhin legte der Fuchs dem Löwen die ganze Beute vor, und als dieser sich darüber wunderte, zeigte der Fuchs nur wortlos auf den Esel.

Das ist des Pudels Kern

In Goethes Faust betritt Mephisto in Gestalt eines schwarzen Pudels das Studierzimmer des Gelehrten.

Faust wundert sich zunächst über das eigenartige Verhalten des Hundes, bis dieser sich in den Teufel zurückverwandelt.

Darauf ruft Faust aus: „Das also war des Pudels Kern!“ Heute wird der Ausspruch in der Bedeutung „das ist das Wesentliche“ gebraucht.

Der Würfel ist gefallen

„Die Sache ist beschlossen, die Entscheidung ist unwiderruflich.“ 49 v. Chr. überschritt Cäsar mit seinen Truppen den Rubikon, den Grenzfluss seiner Provinz und löste damit einen Bürgerkrieg aus.

Plutarch berichtet, Cäsar habe dabei ausgerufen: „Der Würfel ist gefallen.“ Doch auch Cäsar zitierte nur, und zwar aus einer griechischen Komödie. Durch ihn aber wurde der Ausruf erst zum geflügelten Wort.

Tja, so alt all diese Redensarten auch sein mögen, auf irgendeine Art und Weise treffen sie auch in der heutigen Zeit noch immer zu!









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