Heisses Eisen: Ortsgemeinde-Präsident in Diepoldsau

Eine Ortsgemeinde ist eine Erbschaft, die Generationen und Jahrhunderte überdauern und im Notfalle den Ortsbürgern helfen soll, über die Runden zu kommen. Es ist kein Unternehmen, das grosse Renditen abwerfen muss, soll aber selbst tragend sein. Im schweizerischen Diepoldsau ist darüber eine heftige Diskussion entbrannt.

Der Tratthof in Diepoldsau. Dieses schöne Fleckchen Natur soll nach den Plänen anderer verschwinden??
Gastbeitrag von Paul Benz, Diepoldsau

Ähnlich wie bei anderen Ortsgemeinden, wirft auch der Diepoldsauer Besitz im Moment nicht viel ab, weil Wald, Alpwirtschaft und Landwirtschaft in der heutigen Zeit schlicht und einfach nicht rentieren. Und wenn eine Ortsgemeinde nicht sehr umsichtig geführt wird, schaut am Ende des Jahres gerade mal eine schwarze Null heraus. 

Da ist die Versuchung natürlich gross, statt der Landwirtschaft etwas „Rentableres“ zu machen. Bauland zu verkaufen, oder eine andere Nutzung anzustreben (Stichwort Golfplatz). Meines Erachtens gibt es genügend unselige Bestrebungen, Diepoldsau „wachsen“ zu lassen. Mit dem verrückten Ziel: mehr Leute, mehr Häuser, mehr Strassen, mehr Autos, mehr Industrie, mehr Lärm. Ich persönlich bevorzuge mehr Natur!

Die der Natur am nächsten stehende Nutzung ist gewiss die Landwirtschaft. Wenn wir den Eigenversorgungsgrad unseres Landes anschauen, ist es geradezu unsere Pflicht, die Landwirtschaft zu erhalten. Auch wenn sie halt eben nur knapp rentiert.

Der Landwirt Peter Kuster ist von allen Diepoldsauern wahrscheinlich derjenige, der die Ortsgemeinde am besten kennt. Mag es sich um Ortsbürger oder um Besitzverhältnisse, um Pachtland, Pachtverträge, Wald, Alp Diepoldsauer Schwamm, Tratthof, oder um Strassen in Ortsgemeindebesitz handeln, mag es um die Finanzen der Ortsgemeinde oder um den Ertrag der Christbaumplantagen gehen, Peter Kuster weiss über jedes Detail Bescheid

Nach 20 Jahren im Ortsverwaltungsrat kennt er den Zustand des Ortsgemeindebesitzes, und kann jegliche Ortsgemeindeangelegenheit hinsichtlich Folgen und Kosten sehr realistisch beurteilen.

Kuster will erklärtermassen die Ortsgemeinde Diepoldsau in ihrer heutigen Form erhalten, ebenso will er den Tratthof nach seiner dannzumaligen Pensionierung einem jungen Bauern übergeben. Dass die Verbindung „Pächter und Ortsverwaltungsrat“ nicht unbedingt ein Interessenskonflikt sein muss, sondern auch sehr vorteilhaft sein kann, ist in den letzten 20 Jahren zur Genüge bewiesen worden. 

Nach dem legendären Paul Kuster glänzten die beiden nachfolgenden Ortspräsidenten nur mit einem, wohlwollend gesagt „mittelmässigen Leistungsausweis“. Es wäre ein Glücksfall, wenn nun mit Peter Kuster ein fähiger Mann das Amt übernehmen würde.

Im „Rheintaler Bote“ vom 15. August war nun zu lesen, dass ein noch „fähigerer Mann“ plötzlich den Wunsch verspürt habe, Ortspräsident zu werden. Georg Hutter bewerbe sich ohne jegliche Interessenskonflikte, und in der hehren Absicht, die Diepoldsauer vor Ungemach und Übervorteilung zu bewahren. (Ob Besserwisserei, persönliche Ressentiments, oder „modernere Vorstellungen bezüglich der Entwicklung unseres Dorfes“ Hutter zur nachgeschobenen Kandidatur bewogen haben, ist schwierig zu beurteilen.)

Gemäss „Rheintaler Bote“ diskutiert der Ortsverwaltungsrat tatsächlich eine Aufteilung des Tratthofs nach Ablauf von Kusters Pachtvertrag. Ein Teil des heute selbständigen Bauernhofs sollte dann an andere Bauern verpachtet, und der Rest einer „Umnutzung“ unterworfen werden.

Wenn wir unter „Umnutzung“ den Verkauf von Bauland und das Anlegen eines Golfplatzes verstehen, liegen wir ungefähr in der Zielrichtung von „Möchtegern- Ortspräsident“ Georg Hutter.

Interessenskonflikte? Nun, Georg Hutter ist Hobbygolfer und als Bauingenieur und Inhaber der Georg Hutter Ing. AG an der baulichen Entwicklung von Diepoldsau sehr interessiert. Die Ortsgemeinde hätte gewiss schnell ein paar Franken mehr in der Kasse, würde aber garantiert sicher kleiner. 

Ob ein Diepoldsauer Golfplatz später mal rentiert? Wen interessiert‘s! Ortsgemeinden sind ja sowieso ein alter Zopf!?

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1 Kommentare, Tipps & News von LeserInnen:

  1. Stimmt - der Peter Kuster befindet sich in einem Interessenskonflikt, einem argen sogar!

    Er stellt sich nämlich gegen eine Zerschlagung und Vergeudung von Ortsgemeinden-Eigentum und für eine Erhaltung der Landwirtschaft ein.

    Und damit steht er ganz klar im Konflikt mit den Interessen einiger anderer in Diepoldsau (siehe Golfplatz-Diskussion).

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