Ratingagenturen haften für Bewertungen

Von Obama bis Merkel - keiner der "Mächtigen" wurde dem dubiosen Treiben der Ratingagenturen bis jetzt Herr. Bis auf diese "kleine" Richterin aus New York. Die hat nämlich ein überraschendes Urteil gefällt: Ratingagenturen sollen künftig für ihre Bewertungen haften - wird die Finanzwelt auf den Kopf gestellt?

Haben die Ratingagenturen ihren "Meister" gefunden?
"Die Urteile von Bonitätswächtern sind nicht vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Vielmehr handele es sich um <faktenbasierte Meinungen> - und die sind in einem Schadenersatzprozess justiziabel". 

Mit diesem Urteil könnte Richterin Shira Scheindlin die Finanzwelt auf den Kopf stellen. Denn bisher konnten die Ratingagenturen praktisch schalten und walten und von Banken bis hin zu Staaten bewerten wie sie wollten - und mussten doch keine Konsequenzen fürchten.

Ganz im Gegenteil zu den Bewerteten. Ganze Staaten gerieten ins Wanken, wenn  Standard & Poor‘s, Moody‘s und Fitch in der Vergangenheit schlechte Bewertungen herausgaben. Zwar hatten schon mehrere private Kläger versucht, die Ratingagenturen für ihre oft desaströs falschen Bewertungen haftbar zu machen, doch bisher waren die Richter immer der Argumentation der Ratingagenturen gefolgt:

Die Bonitätsurteile, so die Ratingagenturen, seien nichts weiter als Meinungsäusserungen - und deshalb von der US-Verfassung gedeckt.

Umso überraschender ist es, dass ein New Yorker Bundesgericht einen Einspruch von S&P und Moody's gegen eine Klage von Grossinvestoren deutlich abgewiesen hat. 

Die Grossinvestoren hatten im August 2007 beim Kollaps eines Investmentfonds namens Cheyne Milliardenverluste erlitten. Neben der Wall-Street-Bank Morgan Stanley, die den Fonds aufgelegt hatte, machen sie dafür auch die Ratingfirmen verantwortlich. Diese hatten die Bonität des Investmentfonds viel zu gut bewertet.

Scheindlin`s Begründung: "Bei Ratingurteilen handelt es sich zwar nicht um objektiv messbare Darstellungen von Tatsachen. Andererseits seien Ratings auch keine blossen Meinungen wie die Ansicht, dass in dem einen Restaurant besser gekocht wird als in einem anderen. Im Gegenteil, die Noten der Ratingagenturen müsse man daher als <faktenbasierte Meinungen> betrachten."

Standard & Poor`s und Moodys werden sich also erstmals einem Gerichtsverfahren stellen müssen. In der Urteilsbegründung wurde auch auf Instant-Nachrichten verwiesen, die zwei S&P-Analysten ausgetauscht hatten.

"Dieser Deal ist lächerlich, wir sollten ihn nicht bewerten" hatte der eine Analyst gemeint. Der zweite Analyst antwortete: "Wir bewerten doch jeden Deal." Daraufhin der erste Analyst: "Er könnte von Kühen zusammengestellt worden sein, und wir würden ihn bewerten."

Die grossen Ratingfirmen hatten unzähligen Wertpapieren, die sich später als Schrott erwiesen, beste Noten gegeben. Sollte Standard & Poors tatsächlich in einem Gerichtsverfahren schuldig gesprochen werden, werden wohl unzählige Schadensersatzklagen auf die Ratingagenturen zurollen.

Allerdings bleibt ein überaus schaler Beigeschmack: Es wirft kein gutes Licht auf unsere Regierungen, die seit Jahren nicht schafften, was einer einzigen "kleinen" Richterin mit einem einzigen Urteil gelang: Nämlich sich den allmächtig scheinenden Ratingagenturen zu stellen und an die Kandare zu nehmen. 









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