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Geschichte der Nouvelle Cuisine mal etwas anders

Langsam könnte einem etwas mulmig werden. Denn es vergeht kaum ein Tag, wo man nicht hört oder liest, dass wir schlechten Zeiten entgegengehen. Es wäre ja nicht das erstemal, dass plötzlich nichts mehr ist, so wie es war, und dann können sich die glücklich schätzen, die sich dann trotz allem etwas zu helfen wissen. Zum Beispiel jene, die eine ganz besondere "Nouvelle Cuisine" - "neue Küche" - erfanden!

"Nouvelle Cuisine" heute?

Manchmal wurde früher die Not so gross, dass die Menschen schon zu recht abenteuerlichen Essgewohnheiten zurückgriffen.

So geschehen im Jahre 1870/71! Denn in diesem Jahr wurde Paris von der preussischen Armee belagert. Die von feindlichen Truppen eingeschlossene Stadt war vollkommen von der Aussenwelt abgeschnitten. 

Die Preise für die noch vorhandenen Nahrungsvorräte stiegen sprunghaft an, da ja keine Versorgungsgüter mehr nach Paris gelangten.

In wenigen Wochen waren alle Läden leer und die Bewohner der Hauptstadt, die doch an bessere Verpflegung gewöhnt waren, mussten nun notgedrungen alles verzehren, um nicht zu verhungern. 

Schätzungsweise 65 000 Pferde wurden während dieser Belagerung geschlachtet und gegessen, darunter auch zwei Traber, die ein Geschenk des russischen Zaren an Kaiser Napoleon III. gewesen waren. Die Lebensmittelvorräte schrumpften immer weiter und in dieser Not zog man auch andere Quellen in Betracht.

Die hungrigen Blicke richteten sich nun auch auf Hunde und Katzen! * Und man dachte sich viele neue, einfallsreiche Rezepte aus, um den Geschmack der ungewöhnlichen Fleischarten zu überdecken. Als keine Aussicht auf ein baldiges Ende der Belagerung bestand, setzte man sogar Nagetiere auf die Speisekarte. 

Deshalb baumelten bald auch grosse Ratten an Fleischerhaken der Marktstände und man diskutierte über die beste Zubereitungsart dieser Tiere. Sogar Zierfische holte man aus den Teichen der Parks von Paris. Und so geschah es, dass am 8. Dezember die französische Tageszeitung "Les Nouvelles" eine ungewöhnliche Speisekarte veröffentlichte

Consommé de cheval au millet (Pferdekraftbrühe mit Hirse) 
Brochettes de foie de chien à la maître d'hôtel (Hundeleberspiesschen nach Art des Hauses) 
Emincés de râble de chat sauce mayonnaise (Katzenrückenscheibchen mit Mayonnaise) 

Epaule de filet de chien sauce tomate (Geschmorte Hundeschulter in Tomatensauce) 
Civet de chat aux champignons (Katzenpfeffer mit Champignons) 
Côtelettes de chien aux petits pois (Hundekoteletts mit grünen Erbsen) 

Salmis de rats à la Robert (Roberts Rattenragout) 
Gigot de chien flanqué de ratons (Hundekeule garniert mit jungen Ratten) 
Plum-pudding au jus et à la moelle de cheval (Plumpudding mit Pferdemarksauce) 

Hmmmmm, lecker! Zur ersten Jahreswende der Belagerung war der Pariser Zoo dann nicht mehr in der Lage, seine Tiere zu ernähren. So stimmte man widerstrebend zu, sie zu schlachten und zum Verzehr anzubieten.

Ein Flusspferd wurde für 80 000 Franc zum Verkauf angeboten. Niemand fand sich, der eine so horrende Summe bezahlen konnte, noch dazu, wo man sich nicht sicher war, ob dieses Fleisch überhaupt geniessbar sei. 

Doch wie immer in schlechten Zeiten, war auch hier ein Metzger besonders clever. Es war dies Monsieur DeBoos, dessen Geschäft am Boulevard Hausmann war.

Sein Geschäft blühte, denn er verkaufte Büffel, Zebras und Jaks, und er soll sogar für zwei Elefanten, namens Castor und Pollux, 27`000 Franc bezahlt haben. Auch diese endeten auf seiner Schlachtbank. Für ihre Rüssel, die als besondere Delikatesse galten, verlangte er 44 Franc pro Pfund. 

Als dann im Januar 1871 die deutsche Belagerung mit einem Waffenstillstand beendet wurde, kehrten die Bewohner von Paris mit grosser Erleichterung zu ihrer gewohnten Kost zurück. Alles in allem kann man sagen, sie wussten sich immerhin zu helfen! Na dann, guten Appetit! ;o)

Mein Weiter-Lese-Tipp >>> "Nouvelle Cuisine" nach dem Zweiten Weltkrieg






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1 Kommentare, Tipps & News von LeserInnen:

  1. Hahaha, liest man auch nicht jeden Tag. Wirklich schöne und interessante Geschichte!

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