Wie ein Pilz zum Dorfgespräch wurde

Auf dem gestrigen Morgenspaziergang fand ich einen recht großen Wiesenchampignon. Nach dem Regen der letzten Tage richtig "hochgeschossen". Weil Pilze in den Hungerjahren 1945 - 1948 nach dem großen Krieg von Frühjahr bis Herbst der beständige Bestandteil unseres Essens waren und ich noch lebe, kann mir wohl Pilzkenntnis nachgesagt werden. Doch das sahen nicht alle so.


Auf dem Weg nach Hause trug ich das nicht madige Prachtexemplar in der Hand - war ja ohne Körbchen daheim weggegangen.

Als erstes bremste ein Bekannter sein Fahrrad, um den Fund zu begutachten und mir sachkundig zu raten. Ich solle nach Möglichkeit im nahen Wald ja keine Pilze sammeln, weil da giftiger Raketentreibstoff aus sowjetischer Zeit verloren und in den Boden eingedrungen sei. Mein Pilz sei essbar - wusste ich doch. Aber trotzdem "Danke schön!"

Schon am Stadtrand rief mich eine unbekannte Frau an: "Guter Mann, wohin wollen sie mit dem Giftpilz?" Meine Argumente für den Pilz prallten an ihrer Haltung ab wie "Erbsen an der Wand" - so sagt man hier in der Ukraine. Allerdings war ich standhaft bei der Verteidigung meines Omeletts. Sie gab resigniert auf.
       
Daheim die großen Augen meiner Eheliebsten. "Ist das ein Riesenschirmpilz (Parasolpilz)?" Den isst sie schon ohne Mucken, seit sie bewiesen bekam, dass Sokrates Recht hatte mit der Meinung: "Es geht nichts über eine Portion gebratener Schirmpilze!" "Nein, ein Wiesenchampignon." "Der ist ungiftig?" "Wirst du gleich sehen!"

Ganz gegen meine Essgewohnheiten bereitete ich aus dem frischen Pilz mit einem ganz anderen, natürlichen Geschmack als die "Bunkerpilze" aus dem Supermarkt und zwei Hühnereiern ein würziges Omelett zu. Das aß ich mit Genuss. Natascha kostete nur ...

Die morgendliche Kontrolle durch die Frau hat ergeben: Hurra, ich lebe noch :)

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger

Siegfried Newiger, Ingenieur/Buchautor/Blogger, ist seiner grossen Liebe wegen von Berlin in die Ukraine gezogen. Wie anders dort das Leben oft ist, das erzählt uns Siegfried in seiner wöchentlichen "Geschichte aus der Ukraine".




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