Brief von Gerd - Liebe Veränderung!

War  wieder mal auf meinem Lieblingscampingplatz am Lago di Mergozzo. Hier ein paar Eindrücke -  DAS ist einfach ein Traum hier- und wenn ich so durch den Campingplatz gehe am frühen Morgen oder am Abend, dann ist es als ob die Zeit stehen geblieben ist. ABER das ist eine Täuschung. Das Leben besteht aus Veränderung. Und wenn man genau hinschaut, dann sieht man das auch überall.

Veränderung - immer wieder geht ein neues Fenster auf..

Ich kenne diesen Platz schon aus Zeiten, wo meine Kinder noch ganz klein waren - wir saßen jeden Abend in der Kinderdisco, wo hunterte von Kindern den Darbietungen der Animateure lauschten. Eine ganze Arena voll mit Kindern.

Und jetzt - jetzt bin ich wieder hier - ABER ich muss nicht mehr in diese Arena - meine Kinder sind größer, die machen andere Sachen, trinken mit Freunden die ersten Bierchen, freunden sich mit Mädchen an. Und ich - ich sitz immer noch in meinem Lieblingscafe hier und schreibe. NUR diesmal habe ich Probleme mit dem Internet - also schreibe ich einfach so, speichere das und schick es dann von Zuhause aus, raus in die Welt.

Veränderung - obwohl ich mich jeden Tag mehrmals im Spiegel sehe - ich sehe die Veränderung von mir nur ganz schleichend. NUR wenn ich meine Kinder sehe, die Dinge die ich nicht mehr tun muss, oder die ich neu tun muss - DANN sehe ich - das Leben bedeutet Veränderung. Und das ist auch gut so. Leben ohne Veränderung bedeutet Stillstand - und völliger Stillstand bedeutet Tod - und so weit sind wir noch nicht.

Also verändern wir unser Denken und unser Handeln.  Es ist so eine schöne Gegend hier - lest mal die zwei Briefe nach.. die sind vom letzten Jahr, aber sie stimmen immer noch.

Und wenn ich die volle Arena mit all den Kindern sehe, dann kann ich es kaum glauben,  dass ich immer wieder in der Zeitung lese, dass die Geburtenzahlen immer weiter zurückgehen - im Durchschnitt schon unter 1,4 Kinder pro Familie. Ist nicht mehr viel.. ABER das ist ein eigenes Thema. Vielleicht schreib ich auch mal darüber.

Und wenn ich so Familien mit ganz kleinen Kindern sehe, dann bin ich froh, schon so alt zu sein. Ich habe ja selber 4 Kinder - und DAS war SOO viel Arbeit, die alle zufrieden zu stellen, die alle zum Laufen zu bringen, die alle ins Bett zu bringen. DAS ist kein JAMMERN - nein - ich will keine Stunde missen, ABER brauchen tue ich diese Stunden nicht mehr. Jetzt lehne ich mich zurück, kümmere mich um die Herausforderungen, die meine Kinder in ihrem jetztigen Alter an mich stellen und geniesse so oft und so viel es geht.

Meine Arbeit ist getan - die Grundlagen für ihr weiteres Leben sind geschaffen - ich bin schon noch da - ABER ich kümmere mich auch ganz stark um mein eigenes Leben - Es ist eine Lebensphase, die in vielen Momenten und Stunden wieder mir gehört.

Ich will anders sein, ich will den Eigensinn als Lebenskunst leben, ich will den Mut haben, aus der Reihe zu tanzen, ich will das Privileg nutzen - NEIN sagen zu können - nein zu Dingen und nein zu Menschen - ich will gewöhnlich sein dürfen, ich will die Notbremse gegen Überforderung ziehen dürfen - ich will die Gelassenheit einüben,  ich will mein Recht auf Rückzug nutzen.

UND ganz wichtig - wenn ich nicht da bin, dann bin ich nicht da - BASTA - Eigensinn als Lebenskunst -  nicht Eigensinn als Lebenseinstellung.

Wer nicht faul sein kann, mit dem ist etwas faul - hat man uns das "faul sein" abgewöhnt - ich will es neu lernen. Ich liebe es aktiv zu sein, am besten schon am frühen Morgen - ABER ich liebe es auch faul zu sein.

UND ich will mich immer wieder fragen - was mich wirklich glücklich macht. Ist es die Party mit den vielen Leuten, für die ich mich extra schön anziehen muss, oder ist es mein  Cafe, wo ich sein kann was und wer ich bin, wo ich schreiben und lesen kann, was ich will.

Indem ich wenigstens einen Teil des Tages meinen Eigensinn lebe, respektiere ich mich selbst. Indem ich nicht mehr länger das tue,  was andere von mir wollen, zeige ich meine Einzigartikeit.  Indem ich meine Meinung auch äußere, wenn sie jemandem weh tut,  gebe ich anderen wirklich die Chance mich kennenzulernen. UND ganz wichtig - mit diesem gelebten Eigensinn sorge ich für meine körperliche und psychische Gesundheit.

Wie wurden wir und die Generationen vor uns erzogen - Eigensinn war immer etwas, was Erziehern missfallen hat. Eigensinn wurde sogar durch die Rute vertrieben. Nur so kommen gehorsame, biegsame und gute Kinder heraus - übertrieben meint ihr. Nee - nicht übertrieben - heute sind es nur andere Mittel - die Rute wurde durch Medikamente ersetzt. Allein in Deutschland gibt es 750.000 Menschen mit der Diagnose ADHS (eigensinnig, hyperaktiv, aufmerksamkeitsgestört) - 620.000 davon sind Kinder - und 472.000 davon sind Jungen - UND dafür gibt es Ritalin - zum "ruhigstellen" 

ABER vielleicht haben diese jungen Menschen einfach nur einen ausgeprägten, starken Willen. Und ich sage euch - diesen starken Willen brauchen sie auch - in dieser sich immer schneller wandelnden Welt - also lasst ihnen ihren Eigensinn. Sie brauchen ihn wie ihr täglich Wasser und Brot.

Das wird bald ein eigener Brief von Gerd - zu diesem Thema - bin wie schon oft abgekommen - wollte doch nur ein wenig über die Veränderungen schreiben, die mich beschäftigen, wenn ich auf meinem Lieblingscampingplatz vor meinem Cappuchino sitze und schreibe.

Übrigens - ALLEs verändert sich nicht - der Cappuchino kostet hier immer noch Euro 1,30 wie im Vorjahr.

In Gedanken - euer G.Ender




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