Brief von Gerd - Liebe Unvernunft!

Ich bin in einem Dorf aufgewachsen, die Lehrer, die Eltern, der Bürgermeister, der Dorfpolizist - all das waren Autoritäten. Und in diesem Umfeld "lernt" man vernünftig zu sein. Es geht um Regeln und Prinzipien - es geht um Achtung und Ansehen. ABER ist es IMMMER vernünftig, vernünftig zu sein?

Kate Moss - eigentlich immer unvernünftig ... und dennoch höchst erfolgreich!

Darüber will ich heute ein wenig schreiben. Wieder mal in Wikipedia nachschauen.

Der Begriff Vernunft bezeichnet in seiner modernen Verwendung die Fähigkeit des menschlichen Denkens, aus den im Verstand durch Beobachtung und Erfahrung erfassten Sachverhalten universelle Zusammenhänge in der Welt durch Schlussfolgerung herzustellen, deren Bedeutung zu erkennen, Regeln und Prinzipien aufzustellen und danach zu handeln. 

Alles richtig - aber zu theoretisch - ich such mal ein Zitat, dass das, was ich sagen möchte in kurzen Worten zusammenfasst - und schon hab ich es gefunden.

Die meisten Dinge, die uns Vergnügen bereiten, sind unvernünftig.
Charles de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu (1689 - 1755)
französischer Staatstheoretiker und Schriftsteller

Ja - WENN das so ist - sollten wir dann nicht häufiger UNVERNÜFTIG sein? UND eines weiß ich heute schon ganz genau - ich liebe das "durch Friedhöfe" spazieren. Und da sehe ich es ganz genau. Die VERNÜNFTIGEN liegen in Reih und Glied neben den UNVERNÜNFTIGEN.

Am Ende macht es keinen Unterschied - gar keinen. ABER vor dem Friedhof - da kann es schon einen Unterschied machen. Also schaue ich mir das etwas genauer an - die Sache mit der Unvernunft.

Unvernunft ist eine Eigenschaft, die immer wichtiger für mich wird. Sie ist wichtig, um Neues entstehen zu lassen - sie ist wichtig, um ab und zu aus dem "Altagstrott" herauszutreten, sie ist wichtig, um aus einem langweiligen Mittwoch einen Sonntag werden zu lassen, obwohl jeder Vernünftige weiß, dass es von Mittwoch bis Sonntag noch 4 Tage sind. 
Im Gegensatz zur Vernunft ist die Unvernunft spannend, ungestüm, immerwährend neugierig, vorantreibend und äußerst kreativ. Natürlich braucht es die Begrenzung, braucht es den Rahmen, den die Vernunft setzt, damit die Unvernunft nicht gefährlich wird - weil die Unvernunft kennt das Wort "GENUG" nicht und sie kennt auch das Wort "GRENZE" nicht.

UND deshalb liebe ich die Unvernunft, sie ist ein wertvoller Zeitgenosse. Ich sehe Menschen, die sich heutzutage immer mehr nach dieser liebevollen, aber stürmischen Unvernunft sehnen. Ich sehe Menschen, die sich immer mehr nach dem Ausleben ihrer WIRKLICHEN Bedürfnisse sehnen, OHNE dabei immer auf die ANDEREN zu schauen.

Die Unvernunft braucht der Mensch wie die Luft zum Atmen - Ohne Unvernunft wird das Leben öde und langweilig. Die Vernunft zieht kein weißes Hemd an, wenn es Spaghetti Bolgnese gibt, die Vernunft parkt nicht auf Behinderten-Parkplätzen (auch von 4 davon frei sind), die Vernunft springt nicht von Klippen ins Meer, die Vernunft ernährt sich gesund und geht regelmäßig joggen und isst am Abend keine Kohlenhydrate....

Mache ich ALLES auch - UND DOCH - was ist das Leben ohne eine gute Portion Unvernunft? Mal richtig über die Stränge schlagen, einmal nicht das tun, was sich gehört - sondern das was SPASS macht. Mir schmeckt mein Leben ohne eine Portion Unvernunft nicht mehr. UND dazu kommt. Unvernünftig sein tut auch meiner Seele gut.

Ich bin mit 16 Jahren mit einem Freund mit dem Mofa von Vorarlberg aus nach Monaco gefahren - DAS war völlig unvernünftig, ABER es war unvergesslich schön. Und wer von euch den wahren Grund für diese Fahrt wüsste, der würde nur noch den Kopf schütteln. Ach komm - ich sags euch - das lesen doch eh nicht so viele Menschen, die mich kennen - also mit 16 mit dem Mofa an die Côte d'Azur. Nach Saint Tropez, der Stadt voller Klischees und Mythen, hier sollen die Reichen und die Superreichen sein.

UND vor allem sind dort ALLE Frauen am Strand "oben ohne" - so stands in den Zeitungen - und so wars auch!!!

Es ist DIE Oben-ohne-Mode Stadt und die Stadt einer Brigitte Bardot. Also Gerd - unvernünftig sein und hin - bereut hab ichs bis heute nicht.

Und deshalb genehmige ich mir jetzt sofort, als Homage an die Unvernunft, einen Espresso mit Zucker, obwohl ich heute schon drei!! davon hatte.

In Gedanken - euer G.Ender




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