Namenstag in der Ukraine

Vor kurzem war Nataschas Namenstag. Wie immer – ich wusste das nicht. Wurde aber durch meine Anglerfreunde darauf hingewiesen. Und wie es in der Ukraine Sitte ist, wurde daraus schnell ein feucht-fröhliches Fest. Und beinahe wäre ich auch noch reich geworden. 

Der Tag fing richtig harmlos an...

Bereits frühmorgens, während dem Spaziergang zu unserem angestammten Angelplatz, hatte mich Anglerkollege Boris Betrowitsch auf den Namenstag meiner Frau aufmerksam gemacht. Vitalij war schon lange vor uns eingetroffen und hatte bereits schon Fische gefangen.

Boris Petrowitsch an meiner Seite  lächelte verschmitzt und lud mich ein, auf Nataschas Gesundheit einen guten Selbstgebrannten mit ihnen zu trinken. Ich meinte, dass ich zwar mit Natascha verheiratet bin, aber keinen Grund dafür sehe, am frühem Morgen einen zu heben. Ich hätte ja auch keinen Selbstgebrannten dabei, natürlich auch keine „Bierhappen“ (wie ich die „sakuski“ übersetze).

Jetzt grinsten beide und informierten mich, dass auch sie Grund zum Namenstag feiern hätten - einer hätte eine Tochter mit diesem Vornamen, der andere eine geliebte Enkelin. Ich wäre bei ihnen der Dritte in der Runde. Sie hätten schon alles vorbereitet – Petrowitsch auch denselbst von ihm gebrannten Wodka mitgebracht. 

Dazu soll man wissen, dass sich gewöhnlich die hiesigen Säufer „zu dritt“ zusammenfinden, wir aber allesamt keine Trinker sind. Dennoch wurde meine diesbezügliche Bemerkung abgeblockt – wir hätten heute sehr wohl einen Grund. 
Also bekam ich meinen Becher mit etwa 80 ml Wodka, dazu ein Stück Brot mit hausgemachter Blutwurst darauf und eine geteilte Tomate. Wir tranken auf unsere lieben Nataschas. Dann setzten wir mit Hund den Spaziergang fort.

Der Nebel stieg langsam auf – die sich schon herbstlich einfärbende Landschaft kam immer mehr zum Vorschein, glänzte beginnend bunt in der Herbstsonne. Plötzlich fühlte ich ein intensives Brennen in der linken Hand. Unter der zusammengerollten Hundeleine hatte sich eine Wespe eingenistet und mich gestochen. Den Stachel, den sie in der Haut zurück gelassen hatte, konnte ich herausziehen. Das Insekt fiel zu Boden. Wir gingen weiter – die Einstichstelle schmerzte immer intensiver.

Daheim wünschte ich meiner Guten etwas zu ihrem Feiertag. Sie konterte: „Wo hast du Alkoholiker am frühen Morgen schon getrunken?“ Nach Bericht mit den besten Wünschen der „Zechkumpane“ vergab sie mir die Entgleisung. Fragte aber sofort: „Was hast du mir noch mitgebracht?“ Ich verstand nicht. „Was hast du da in der Hand?“ Meine linke Hand war außen stark angeschwollen und machte aus der Entfernung den Eindruck, als ob in ihr etwas versteckt war. Ich bemerkte die Entwicklung an der Stelle erst nach dieser Frage und erzählte vom Wespenstich.

Ungeachtet dieser „Verwundung“, welche mir gestern das etwas raschere Schreiben am PC unmöglich machte, wurde ich auf den Basar geschickt. Auf dem Weg nach dort saßen „Einzelhändler“ wie üblich am Überweg auf der Allee. 
Eine von den vorwiegend Frauen hatte einen Korb voll wunderbar fester Rotkappen (Pilze) vor sich, verkaufte das Kilogramm für 3,50 € (35 Hrywna). Ich nahm vier besonders schöne Pilze und schmorte sie anlässlich des Namenstages. Mit Buchweizengrütze dazu – ein echtes Festmahl.

Am Nachmittag dann noch der Versuch aus London, uns besonders reich machen zu wollen. Die angeblich seriöse Anwaltskanzlei Andrews&Kurth mit der etwas seltsamen Website  www.andrewskurth.com versuchte mich davon zu überzeugen, dass mir ein ferner Verwandter, der mit Frau und Sohn bei einem Autounfall leider ums Leben gekommen sei, eine beträchtliche Summe hinterlassen hätte. 

Weil ich schon erstaunt war, das Angebot auf Russisch zu bekommen, sah ich besonders genau hin. Das Geld würde in einem Medienkonzern in Ghana stecken. Den Leuten habe ich meine Verbindung gesperrt.

Seien auch Sie vorsichtig - und bleiben Sie recht gesund! Ihr

Siegfried Newiger




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