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#nicht immer brav aber...immer wOw


Anni. Geschichten, die das Leben schrieb

Manchmal, besonders jetzt, wenn es draussen grau ist und so richtig kalt, habe ich wenig Lust nach draussen zu gehen. Dann sitz ich am Fenster, sehe den Vögeln zu, die sich schon langsam an meinen Futterplatz gewöhnen und dann kommen die Erinnerungen. Sie holen mich ein, machen mich traurig oder gewinnen mir ein Lächeln ab. Ja, und dann ist sie da, urplötzlich, die Erinnerung an Anni. Wer Anni war? 

Winterzeit - unsere Bloggerin Dagmar schwellt in Erinnerungen ...

Nun, ich denke, in unserem kleinen Dorf kannte Anni fast ein jeder. Und die, die sie nicht kannten, denen will ich nun einen kleinen Einblick in das Leben von Anni geben.

Anni ist nicht mehr! Es macht mich schon ein wenig traurig und doch glücklich, dass ich sie kennen lernen durfte. Es war auch reiner Zufall, als wir uns begegneten. Und wie der Zufall manchmal so spielt, wurde daraus eine Freundschaft.

Anni war für mich eine bezaubernde  Dame, der man absolut ihr Alter nicht ansah. Wenn sie im Ausgang war, wurde sie zur eleganten Lady! Ihre Kleidung war tadellos und an ihrer Frisur musste jedes Härchen sitzen.

Anni hatte sicher kein leichtes Leben. Sie wusste was Arbeit bedeutet,  von frühester Jugend an und als Ehefrau und Mutter wurde es ihr sicher nicht leichter gemacht. Doch sie war immer fröhlich, sie kannte einfach nichts anderes als überall zuzupacken.

Anni besuchte mich öfters und ich freute mich jedes Mal, wenn ich sie sah. Wenn ich nach dem Klingeln die Türe öffnete, sass sie mit einem schelmischen Lächeln auf meiner Bank vor dem Haus und hielt mir ein Blumensträusschen entgegen. Dieses stammte aus ihrem kleinen Garten und sie verstand es, das Sträusschen immer wunderhübsch zu binden.

Öfters lud ich sie zum Essen ein, welches sie gerne annahm, aber mit der Bitte, dass nur ich allein daheim wäre: "Weisst du", sagte sie dann zu mir, "ich esse nicht mehr so schön und ich möchte nicht, dass andere Leute mich dabei sehen!"

Natürlich erfüllte ich ihr diesen Wunsch nur zu gerne, nicht wegen dem Essen, sondern weil ich die Zeit mit ihr allein geniessen wollte. Sie blieb nämlich nicht lange, denn ihr Motto lautete auch: "Die kurzen Besuche sind die schönsten!" Da halfen all meine Einwände nichts.

Doch zu einer Spazierfahrt mit dem Auto war sie immer bereit, da konnte es nicht lange genug gehen. Am liebsten fuhr sie mit mir zum Werdenberger Seeli. Dort machten wir dann in einer kleinen Wirtschaft Rast, tranken und bestellten meistens ein Pantli mit Brot, danach noch Kaffee und Kuchen und waren einfach nur glücklich und zufrieden.

Natürlich fuhr Anni nicht Auto, ihr Fortbewegungsmittel war der Traktor und das Velo. Mit denen kurvte sie herum wie ein Teenager und jedem rief sie ein fröhliches "Hallo" zu. Sie war trotz ihres hohen Alters sehr sicher im Umgang mit ihren Gefährten, doch ich machte mir schon einige Sorgen.

Und so geschah es - es war im Winter - als das Unglück geschah. Es lag sehr viel Schnee auf der Strasse und die Räumungsequipe tat ihr Bestes, um dieser Masse Herr zu werden. Sie räumten die Strassen und die Gehwege und schippten den Schnee wunderbar an den Rand. Aber dieser Rand war eben der Radweg und es wurde wohl nicht bedacht, dass nicht alle Bürger mit einem Auto unterwegs sind, sondern eben auch zu Fuss oder mit dem Velo.

Nun, Anni ging zu Fuss, doch wegen der hohen Anhäufung des Schnees am Rande sah sie den Absatz vom Trottoir zur Strasse nicht, stürzte und verletzte sich das Knie sehr schwer. Humpelnd kam sie zu mir, wo ich einen Notverband machte und sie heimfuhr, wo wir den Arzt anriefen.

Man ist immer sicher, wunderbar durchdachte Lösungen im Strassenverkehr zu bringen, doch auf die Bedürfnisse von Minderheiten geht man dabei nicht ein. Was ist mit den alten Leuten, den Rollstuhlfahrern usw. Nach welchem Kriterium stellt man eigentlich die Ampeln ein. Sogar ein junger Mensch muss eilen, um bei Grün auf die andere Seite zu kommen, ein älterer? Keine Chance!

Doch zurück zu Anni! Sie vertraute mir viel von ihrem Leben an und ich bewunderte ihren Mut, dass sie auch im hohen Alter zum Leben voll "JA" sagen konnte. Vieles was sie mir erzählte, werden ihre Kinder nie erfahren und ich denke, das ist gut so.

Leider wurde Anni kränklicher und sie vergass etwas für sich zu kochen und zu essen. So kam sie ins Altersheim. Ich besuchte sie ein paarmal und wollte auch wieder mit ihr ausfahren, doch plötzlich erkannte sie mich nicht mehr. Wenn ich kam, schlief sie nur noch oder ihre Gedanken waren ganz woanders. Ich wusste, dass es für Anni die letzte Station war und es machte mich unendlich traurig.

Nun ist Anni schon ein paar Jahre tot, aber manchmal bilde ich mir ein die Hausglocke zu hören und ich sehe sie in Gedanken auf dem Bänklein sitzen und mir lächelnd ein Sträusschen Blumen entgegenstrecken.






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