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Joseph Schmidt. Tragisches Leben eines grossen Tenors

Am 4. März 2014 würde einer der wohl berühmtesten Sänger der Welt des vorigen Jahrhunderts 110 Jahre alt. Wie viele von uns sich an diesen begnadeten Tenor erinnern, weiss ich nicht, doch er ist es ganz bestimmt wert, ihm in einem Artikel Wertschätzung zukommen zu lassen. Das unglaubliche und dennoch tragische Leben des Joseph Schmidt.



Joseph Schmidt wurde am 4. März 1904 in der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie in Bukowina geboren, das nach dem Ersten Weltkrieg an Rumänien fiel. Seine Eltern waren deutschsprachige orthodoxe Juden und lebten teils in Dawideney und Czernowitz, die heute in der Ukraine liegen.

Ab 1925 studierte Joseph Schmidt an der Königlichen Musikschule Berlin Gesang. Zwar glaubte dort aufgrund Schmidts Körpergrösse von nur 1,54 m keiner an einen möglichen Erfolg - dennoch wurde der kleine Mann weltweit erfolgreich.

Zwischen 1929 und 1933 nahm er zahlreiche Schallplatten auf und sang am Berliner Rundfunk in 38 Rundfunkopern. Joseph Schmidt galt zu jener Zeit als einer der besten Tenöre der Welt.

Am 20. Februar 1933 – nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten – sang er zum letzten Mal im Rundfunk den „Barbier von Bagdad“. Dann wurde ihm als Jude der Zugang zum Funkhaus verwehrt. 

Dennoch konnte Joseph Schmidt noch den Film mit einem seiner wohl berühmtesten Lieder drehen: „Ein Lied geht um die Welt“, doch dann musste er vor der NS nach Wien fliehen. 

1934 gastierte er in Palästina und 1937 sogar in der New Yorker Carnegie Hall. Er kehrte zurück nach Österreich, musste aber nach dem Anschluss an das Dritte Reich auch von dort fliehen.

Im November 1940 kam er nach Frankreich. Hier wurde er als deutscher Jude in Südfrankreich zwangsinterniert. Nach mehreren missglückten Versuchen gelang Schmidt schliesslich die Flucht in die Schweiz. Nach einem Schwächeanfall brach er in Zürich jedoch auf offener Strasse zusammen. 

Da damals geflohene Juden vor dem Gesetz in der Schweiz nicht als politische Flüchtlinge galten, sondern illegal waren, brachte man ihn zur Abklärung in das Internierungslager Girenbad. 

Nach einer schweren Halsentzündung wurde Joseph Schmidt ins Kantonsspital Zürich eingeliefert, wo man ihn auf dessen Beschwerden behandelte, nicht aber auf seine Schmerzen in der Herzgegend einging und eine Untersuchung verweigerte. 

Am 14. November 1942 wurde er als offizielle geheilt erklärt und man brachte ihn wieder nach Girenbad. Nur zwei Tage später starb Joseph Schmidt an Herzversagen.

Die bittere Ironie des Schicksals: Einen Tag nach seinem Tod bekam er seine Arbeitserlaubnis und er wäre frei gewesen.
Joseph Schmidt ist auf dem Jüdischen Friedhof Zürich-Wiedikon beigesetzt. Sein Grabstein trägt deutsch die Inschrift: "Ein Stern fällt…". Im Jahr 2004 gab die Bundesrepublik Deutschland eine Gedenk-Briefmarke für ihn heraus.

Joseph Schmidt war einer von den ganz grossen Sängern und in jedem seiner Lieder drang immer eine gewisse Traurigkeit durch, ohne jemals ins Kitschige abzurutschen! Mein persönliches Lieblingsstück von ihm ist das Lied: „Heut' ist der schönste Tag, in meinem Leben ...

Doch die Frage bleibt: Wieviele schöne Tage hat dieser vom Schicksal gebeutelte Mensch wirklich gehabt?






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1 Kommentare, Tipps & News von LeserInnen:

  1. Ein wirklich tragisches Schicksal und eine traurige Erinnerung an die schlimmen Dinge, zu denen wir Menschen fähig sein können.

    In Erinnerung an den Barbier von Bagdad...

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