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Wenn Lachen zur Krankheit wird

Es ist der 30. Januar 1962, ein sonniger, warmer Vormittag im afrikanischen Staat Tansania. In einem kleinen Internat ist wie üblich Schule. Plötzlich beginnen drei Schülerinnen zu kichern, und schliesslich lauthals zu lachen. Was anfangs nichts wirklich Besonderes schien, griff plötzlich einer Epidemie gleich immer mehr um sich. Tausende von Menschen mussten ohne jeden Grund lachen und konnten nicht mehr aufhören, bis sie erschöpft zusammenbrachen. Mehr als ein Jahr lang schwappte die Lachkrankheit von einem Ort zum anderen. 



Ein guter Witz, eine tolle Pointe - dass Lachen ansteckend wirken kann, hat jeder von uns schon einmal miterlebt. Was aber vom 30. Januar 1962 bis weit ins Jahr 1963 (!) in Tansania geschah, war für die Betroffenen alles, nur kein Spass - es war blanker Horror. 

Von den drei Mädchen im kleinen Örtchen Kashasha ausgehend breitete sich das Lachen zuerst in dieser Schule aus. Als nach einem Monat Dauerlachen bereits 95 von 159 Schülerinnen befallen waren, musste die Schule geschlossen werden. Danach breitete sich die Epidemie weiter von Dorf zu Dorf aus. 

Betroffene mussten ohne ersichtlichen Grund zwischen einigen Minuten bis hin zu Stunden, manche sogar Tage lang, ständig lauthals und krampfartig lachen - viele bis zur absoluten Erschöpfung und gar Bewusstlosigkeit.

Niemand wusste, wie den schliesslich weit über Tausend Betroffenen geholfen werden konnte. Die als "Omnueepo" - in etwa Lachen oder Lachkrankheit - bezeichnete Epidemie ebbte erst im Laufe des Jahres 1963 (!) allmählich ab.

Danach bereisten zahlreiche westliche Mediziner und Psychiater die Region, in der die Lachkrankheit ausgebrochen war. Dabei fanden sie heraus, dass die meisten Betroffenen eigentlich gar nichts zum Lachen gehabt hätten, zumindest was die Lebensumstände betraf.

Das als erstes von der mysteriösen Lachkrankheit befallene Internat war streng religiös geführt, die Schlafsäle waren fensterlos, das Essen schlecht, die Stühle in den Klassenzimmern extrem unbequem.
Auch die anderen Betroffenen litten unter schlechten Lebensumständen. Malaria-Plagen und extreme Armut beutelten das gerade von England unabhängig gewordene Land, zudem wussten viele nicht, was in der neu gewonnenen Unabhängigkeit alles passieren würde. 
Gewalt speziell gegen Frauen war an der Tagesordnung, der Druck auf die Menschen allgemein enorm. Erstaunlicherweise waren von der Lachkrankheit vorallem junge Mädchen und Frauen betroffen, selten Erwachsene und Menschen mit guter Bildung gar nicht.   

Weshalb die Experten auf eine anfangs ungewöhnlich klingende Erklärung stiessen: Die Lachkrankheit war eine Art unbewusster Protest. So seltsam es klingt, gerade weil die Menschen und vorallem die jungen Frauen nichts zu lachen hatten, mussten sie derart extrem lachen.




Mit anderen Worten: Das Lachen war mehr als "nur" eine Reaktion auf Humor oder etwas Lustiges. Spätere Untersuchungen in Europa und Nordamerika zeigten, dass wir Menschen tatsächlich in weniger als 20 Prozent der Fälle wegen etwas Komischem lachen. 

Weit öfters reagieren Menschen mit Kichern oder Lachen auf zum Beispiel harmlose Aussagen wie "bis später" bei einem Abschied oder "schau mal, da ist Peter", wenn sich eine bekannte Person nähert. Oder auf eine unangenehme, vielleicht sogar angsteinflössende Situation.

Das auch für die Forscher Überraschende: Kichert jene Person, die eine Aussage macht, dann ist die Aufmerksamkeit der zuhörenden Person wesentlich höher. 
Ein Lachen ist auch ein gern und oft gewähltes Instrument, um eine Erzählung ähnlich einem Punkt oder besser einem Rufezeichen abzuschliessen. Zuhörer wiederum lachen, um so dem Erzähler ihre Aufmerksamkeit zu signalisieren. 
Lachen hat auch die Funktion, Ängste abzuwehren. Gekonnt in einen Witz eingebaute auch schwierigste Situationen sind mit Lachen wesentlich leichter zu verkraften - ein bewährtes Mittel von Comedians.  

Lachen ist also weit mehr als "nur" der Ausdruck, dass wir etwas lustig finden. Lachen ist ein wichtiger Teil unserer Sprache, unserer Kommunikation. Das zeigt sich auch daran, dass Menschen, wenn sie alleine sind, fast nie lachen, in Gesellschaft aber dafür oft. 

Auch gibt es verschiedene Formen von Lachen oder Lächeln. Ob echt oder gespielt zum Beispiel merken wir sofort daran, welche Muskeln im Gesicht im Spiel sind, die nicht alle bewusst bewegt werden können. Weshalb wir meist sehr schnell merken, ob ein Lachen gekünstelt ist oder tatsächlich von Herzen kommt.

Zurück zu Tansania. Für die dort aufgetretene Lach-Epidemie konnte kein dafür "verantwortlicher" Erreger gefunden werden. Experten sind sich deshalb sicher, dass es keine körperlichen Ursachen gab, sondern rein psychische.   
Es war, so die Schlussfolgerung, eine Art Massenhysterie, ein Gruppenverhalten, das nicht durch eine bestimmte Ursache in der Umwelt ausgelöst wurde, sondern Folge eines hohen Stressfaktors der betroffenen Gruppe. 

Allgemen tritt eine Massenhysterie meist in Gruppen auf, die nur wenig Macht haben - die Hysterie, wie immer sie sich ausdrückt, ist praktisch ein letzter Ausweg für Menschen auszudrücken, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Es gibt aber durchaus auch eine Lachkrankheit, die tödlich enden kann. Kuru, so der Name, wurde erstmals in Papua Neuguinea registriert, gilt inzwischen aber als besiegt.

Mein Weiter-Lese-Tipp >>> wie gesund Lachen in der Regel jedoch ist, das erzählt dir unsere Bloggerin Dagi in diesem Post






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