our mission?" 10`000 stories for you
#nicht immer brav aber...immer wOw


Wie gibt man ein gestohlenes Raumschiff zurück?

Vor mehr als 30 Jahren stahl der NASA-Wissenschaftler Robert Farquhar ein Raumschiff. Jetzt versucht er, es wieder zurück zu geben. Aber so leicht ist das gar nicht.

ISEE-3 sollte noch eines der berühmtesten "Raumschiffe" der Welt werden.

Gerade jetzt rast ein grüner Satellit in Richtung Erde - seiner Heimat. Und das, nachdem er drei Jahrzehnte lang in den Weiten des Weltalls seine Runden gedreht hat. Schon bald wird er wieder "zuhause" sein. 

Doch erst mal kurz zurück in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Der kalte Krieg war immer noch brand aktuell, und wurde auch im Weltall ausgetragen. Ein Satellit nach dem anderen wurde ins All geschossen, um einmal die Gegner auf der Erde auszuspionieren, aber auch um bei neuen Erkenntnissen im Weltraum der erste zu sein.

Die Zeit war für Weltraumagenturen spannend wie selten zuvor. Auch, weil sich für das Jahr 1986 einer der grössten Kometen angemeldet hatte, der seit Menschengedenken an der Erde vorbeigekommen war: Der Halleysche Komet.

Überall wurden kleine "Raumschiffe" zusammengebastelt, die dann so nahe wie möglich an den Kometen heran kommen und dort spannende Fotos schiessen sollten. Überall - ausser bei der NASA. 

Die litt unter massiven Geldmangel, vorallem das Space-Shuttle-Programm frass enorm viel des Bugdets. Für den Halleyschen Kometen und dessen Erforschung blieb nicht viel über. Eigentlich gar nichts.  
Aber genau dort träumte ein Techniker davon, der erste zu sein der mit seinem "Raumschiff" einen Kometen erforscht. Robert Farquhar. Ein brillanter Denker, der schon bei mehreren NASA-Projekten führend mitgearbeitet hatte.

Ihn traf die NASA-Entscheidung ins tiefste Mark. Was tun? Sollte womöglich ein russischer oder japanischer oder gar europäischer Satellit den Erstkontakt mit einem Kometen für sich beanspruchen? Nein, dachte Farquhar, und begann, einen gar finsteren Plan umzusetzen: Er würde einen anderen Satelliten "kapern" und dessen Bahn umlenken. Und das Teil dann später wieder zurück geben. 

Sein Zielobjekt: Ein Forschungssatellit namens International-Sun-Earth-Explorer-3 (ISEE-3), der auf einer Sonnenumlaufbahn kreiste, um Daten über unser Zentralgestirn zu liefern. Diesen Satellit programmierte Farquhar um, sicherte ihn gegen spätere "Rückprogrammierungen" und schickte das Teil als erstes in Richtung eines Kometen Namens Giacobini-Zinner.

Die NASA-Offiziellen tobten und schäumten. Die Zeitungen waren voll von Meldungen, dass irgend jemand der NASA einen Satelliten gestohlen hätte. Farquhar war schnell als Schuldiger ausfindig gemacht und hatte einen schweren Stand bei der NASA.

Bis zum 11. September 1985. An diesem Tag erreichte ISEE-3 den Kometen Giacobini-Zinner, Monate bevor die Satelliten-Armada anderer Staaten in die Nähe des Halleyschen Kometen oder überhaupten eines Kometen kamen.

Damit war Giacobini-Zinner der erste Komet, der jemals von einem irdischen Satelliten erforscht wurde! Die Nachricht ging um die Welt, sogar der damalige US-Präsident Ronald Reagan schickte dem "diebischen Wissenschaftler" ein Glückwunschschreiben. Der damit natürlich mehr als rehabilitiert war. 

Im Jahr darauf war es die europäische Sonde "Giotto", die als erstes Bilder vom Halleyschen Kometen zur Erde sandte. ISEE-3 erreichte den Kometen wenig später.


Bild anklicken für grössere Darstellung. Quelle NASA

Einige der Wissenschaftler, die mit Hilfe von ISEE-3 Phänomene wie die Sonnenwinde untersuchen wollten, waren jedoch immer noch sauer. Aber Robert Farquhar hatte ihnen versprochen, den Satellit nur auszuleihen und später wieder zurück zu geben. 30 Jahre nach seinem Versprechen löst er sein Versprechen jetzt ein. 

Farquhar ist jetzt 81 Jahre alt, und immer noch ein Meister seines Faches. Rein zum Vergnügen berechnet er auch heute noch Bahnen von Kometen oder Raumsonden. Und liegt immer richtig. 

Wie auch bei "seinem Raumschiff", der ISEE-3. Das ist sein Baby. Deshalb ist er auch dabei, seit ISEE-3 ab August 2014 nahe genug an der Erde ist, um durch neue Befehle wieder zu jener Stelle zurückzukehren, von der ISEE-3 im Jahr 1983 aufgebrochen war. 

Das hat bei weitem nicht nur sentimentale, sondern durchaus auch handfeste Gründe. Denn es gibt niemanden mehr bei der NASA, der so ein altes Teil umprogrammieren könnte - keiner weiss mehr, wie das geht. Weshalb die NASA versucht, noch weitere "alte" noch lebende Mitarbeiter ausfindig zu machen. 

Robert Farquhar freut sich auf die Rückkehr seines "Babys". Und sollte die Umprogrammierung nicht klappen, was soll`s? Dann, so Farquhar, haben Wissenschaftler in etwa 200 Jahren eine neue Chance. So lange würde es dauern, bis ISEE-3 das nächste Mal nahe genug an der Erde vorbeikommt.




Nachtrag Dezember 2014: Inzwischen wurde eigens ein Unternehmen namens Skycorp Inc gegründet, das den "ausgeliehenen" Satelliten wieder zurück holen soll. MitarbeiterInnen sind ausnahmslos Hobbyastronomen, das nötige Geld wurde über Crowdfunding aufgebracht. Noch allerdings schwebt ISEE-3 immer noch im All... völlig schwerelos ;-)








Instagram

Written by Blogger: (click picture for more info and stats)













0 Kommentare, Tipps & News von LeserInnen:

Danke für eure Kommentare. Und dafür, dass ihr fair und mit Respekt anderen Meinungen gegenüber diskutiert.

Euer HotNewsBlog-Team

Meist geklickt