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Chicago. Computer sagt Verbrechen voraus

Es klingt wie ein schräger Werbespot für den Film "Minority Report" - doch es ist alles andere als ein Spass. Die Polizei von Chicago testet aktuell ein Computerprogramm, das Verbrechen nicht nur aufklären, sondern schon im Vorfeld verhindern soll. Und das, in dem es vorausberechnet, welche Person ein Verbrechen begehen wird - in der Zukunft!



Chicago, Sommer 2013. Ein kleines Familienhaus in einem Vorort der Millionenstadt. Als es an der Haustür klingelt, öffnet der damals 22jährige Robert McDaniel. Er ist Student, hat gerade Ferien. Vor der Haustür stehen zwei Police-Officer, eine Frau und ein Mann. Die Nachricht, die sie Robert überbringen, erschüttert sein Leben.

Denn ohne Umschweife warnt ihn die Polizistin: "Wir haben Sie als möglichen Verbrecher identifziert. Sollten Sie irgendein Verbrechen vorhaben, ich warne Sie, das wird schwerwiegende Folgen für Sie haben. Wir beobachten Sie!" Robert hatte zuvor noch nie mit der Polizei zu tun, war noch nie ein Verbrechen verwickelt, keine Vorstrafen. Nichts. 

Was Robert zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Ein seit 2009 laufendes Computerprogramm hatte ihn als potentiellen Verbrecher "berechnet" und auf eine sogenannte "Heat List" gesetzt. Seither gilt Robert bei der Chicagoer Polizei quasi als Gewaltverbrecher - obwohl er absolut unbescholten ist!

Hinter dem (natürlich) millionenschweren Programm zur Vorhersage (!) von Verbrechen steht ein Professor Miles Wernick. Der ist tätig am Illinois Institute of Technology (IIT ) in Chicago. Seine Arbeiten an einem Programm zur Vorhersage von Verbrechen begann bereits in den 1980er Jahren. Damals sollte er im Auftrag des Militärs ein Computerprogramm entwickeln, das im Kriegsfall schnell potentielle Ziele auf dem Schlachtfeld erkennen sollte.

Danach wandte er sich der Erforschung und Analyse von Gehirnströmen zu. Eigentlich, um bei älteren Menschen die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung zu prognostizieren. Als die US-Regierung im Jahr 2009 dann Forschungsgelder ausschrieb für ein Computerprogramm, das Verbrechen vorhersagen sollte, bewarb sich Wernick mit seinem Team - und bekam den Zuschlag.

Seither werden die Bürger von Chicago systematisch überprüft, ob sie in Zukunft mögliche Verbrecher sind. Wie genau das berechnet wird, das wollen Wernick und das Chicago Police Department - kurz CPD - nicht "verraten". 

Nur, dass allerlei Daten in die Analyse einfliessen. Zum Beispiel, in welcher Gegend jemand wohnt, mit wem eine Person regelmässig telefoniert oder telefoniert hat, ob verdächtige Webseiten besucht wurden oder ob eine Person einfach nur in sozialen Netzwerken irgendwelche Verbindung mit anderen "Verdächtigen" hat. Über, so Wernick, komplizierte Logarithmen wird dann die Gefährlichkeit einer Person eingeschätzt.

Sobald eine Person dann als möglicher Verbrecher eingestuft wurde, wird - quasi als "Prävention" - ein spezielles Team der CPD tätig, das die "Verdächtigen" persönlich aufsucht und eindrücklich davor warnt, ein Verbrechen auch tatsächlich zu begehen. Zudem werden diese Personen künftig noch stärker überwacht. Wieviele Menschen bisher  genau auf dieser Liste stehen, darüber schweigt das CPD.

Wernick selbst vergleicht die Arbeit seiner Mannschaft mit einer Wettervorhersage oder einer computergestützten Diagnose in der Medizin. Seine Vorhersagen seien "lediglich Empfehlungen" - was die Polizei mit der "Heat List" macht, müssten dann Beamte vor Ort entscheiden. 

Tun die schon lange. Wer von Wernick und seinem Team als "künftiger Verbrecher" eingestuft wird, gilt bei der Polizei als gebrandmarkt. Und wird ohne jede tatsächliche Tat und logischerweise ohne einen Prozess als tatsächlicher Verbrecher gelistet.  Das ohne Möglichkeit eines Einspruches.

Denn der offizielle Kommentar des CPD zu dem "Heat List"-Programm ist so einfach wie fast unglaublich: "Wenn Sie auf dieser Liste stehen, gibt es einen Grund dafür."






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3 Kommentare, Tipps & News von LeserInnen:

  1. Noch vor wenigen Jahren wärt ihr für so eine Meldung als Verschwörungstheoretiker abgeschrieben worden.

    In Abwandlung des berühmten Spruchs von Rudi Carell - Soeben noch auf dem Reissbrett, jetzt bittere Realität?

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  2. Ist doch nichts Neues, wir werden doch schon immer auf Schritt und Tritt überwacht. Und das nicht nur im Land der "unbegrenzten Möglichkeiten"! Was wird als Nächstes folgen?

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    1. Denunziation. Wie bei euch in WW2 oder davor. Auf diese "heat list" jemanden zu bringen ist easy. Rufen sie bei Polizei an und behaupten, sie hätten Person X gesehen wie sie gerade mit einem bekannten Verbrecher gesprochen hat. Die Polizei wird Person X sehr schnell befragen. Streitet X alles ab, ist das schon verdächtig für die Cops. Auf die Liste kommt X auf jeden Fall, ohne Möglichkeit sich wieder löschen zu lassen.

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