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Die Räuber vom Glockenhof

Wenn man in Österreich durch das liebliche Unterland von Tirol fährt, kommt man auch an Hall vorbei. Um Hall also ranken sich viele Geschichten und Sagen - von einer davon möchte ich euch heute erzählen. Sie handelt vom grausamen Räuber vom Glockenhof.  

Die Räuber kannten keine Gnade... / Symbolfoto

Von Hall in Tirol aus kann man übrigens wunderbare Ausflüge machen und Interessantes erleben. Wer Zeit hat, sollte dort nicht „nur vorbeifahren“ sondern ein paar Tage verbringen.

So erkannt man zum Beispiel schon von weitem den Münzturm, wo in früheren Zeiten – wie der Name schon sagt – Münzen, die sogenannten „Taler“ geprägt wurden. 
Aus diesen „Talern“ entstand später der „Dollar“ von Amerika, was den meisten unter uns wohl nicht bekannt sein dürfte.

Doch zu diesem Thema vielleicht ein anderes Mal, heute möchte ich in der Geschichte etwa 400 oder mehr Jahre weit zurückgehen.
        
Im Volderwald, nahe der Stadt Hall, führte in früheren Zeiten eine Hochstrasse. Dort mussten alle Kaufleute und auch anderes Volk durch, um einen Wegzoll zu bezahlen.

Eben dort soll ein berühmter Glockengiesser gelebt haben, der sein Geld nicht nur mit ehrlichem Handwerk vediente, sondern mit seinen wilden Gesellen sein Unwesen trieb und die reichen Handelsleute beraubte und ermordete. Die Leichen verscharrten sie im angrenzenden Wald, welches sie das „Rosengartl“ nannten.

Als aber einmal eine Näherin, die sich auf Stör befand und von den Räubern gerufen wurde, um ihre Kleidung in Ordnung zu bringen, sich in der Zeit vertan hatte und zu früh zum Hof kam, sah sie das Entsetzliche. 
Drinnen im Glockenhof sassen die Räuber, zählten das erbeutete Geld und in der Kutsche draussen lagen die erstochenen Kaufleute in ihrem Blut.
Die Frau rannte nach Hall, berichtete dort dem Richter was sie gesehen hatte und so ereilte dem Glockengiesser und seinen Gesellen die Gerechtigkeit. Er selbst starb durch das Schwert, seine Gesellen wurden aufgehängt. 
Doch davor erbat er sich noch die Gnade aus, durch den Guss einer grossen Glocke für das Gotteshaus in Mils, seine Verbrechen zu sühnen. Man gewährte ihm dies und so empfing der reumütige Glockengiesser unter den Glockenklängen seinen Todesstreich.

Nun, das ist also der Kern der Geschichte, die der bekannte Volkserzähler Pfarrer Josef Praxmarer schrieb. Darin nannte er den Mörder und Glockengiesser „Hans Gatterer“ und velegte die Geschehnisse ins Jahr 1629.

Doch wenn dies alles wirklich geschah, was absolut nicht abwegig war zu dieser Zeit, dann muss man noch etwa 100 oder 150 Jahre weiter zurückgehen.

Denn damals befahl König Maximilian dem Pfleger zu Rettenberg, alle Stauden, die zwischen Volders und dem Aschbach stehen, auf Erdhöhe abzuschlagen, damit das Holzwerk kein Versteck mehr bieten kann und Raub, Mord und andere Übel bei der Volderer Brücke, so zu verschiedenen Zeiten geschehen, künftig verhütet werden.

Demnach sind zu Ende des 15. Jahrhunderts und vorher bei der Volderer Brücke und im Volderwalde wohl sehr viele Raub- und Mordfälle vorgekommen.

An dieser Brücke - ein wichtiger Verkehrspunkt - nahmen die Haller Zollgelder ein. Hier begann der sogenannte Kuntersweg, der über Volderwald, Haller- und Gasteigerhof, Judenstein, Lans nach dem Süden führte, auch Hoch- oder Salzstrasse genannt.

Doch dass diese Räuber und Mörder Glockengiesser gewesen waren, ist wohl der Fantasie des Schreibers entsprungen. Denn zu dieser Zeit wohnten auf dem Glockengiesserhof die Familie Melser. Und diese waren ehrsame und ehrliche Leute!

Thomas Melser und auch sein Sohn Jakob Melser besassen nur den besten Ruf und die Haller liessen bei ihnen die Glocken erneuern oder neue giessen. Es ist also kaum anzunehmen, dass sich diese ehrlichen Leute aktiv mit Mord und Totschlag beschäftigten.

Doch es gab genug Gesindel zur damaligen Zeit und es ist sicher nicht abwegig zu glauben, dass jene es sehr wohl taten.

Das Gruselige dabei ist, wenn wir als Kinder (ich bin in Hall aufgewachsen) am Glockenhof vorbeikamen, dann beeilten wir uns immer sehr, aus dessen  Nähe zu kommen. 

Am Haus war ein Bild des Räubers vom Glockenhof aufgemalt, und egal ob man abwärts oder aufwärts ging, die Augen verfolgten einem so lange, bis man ausser Sichtweite war. 




Auch fühlten wir uns absolut nicht wohl in dieser Gegend und es brauchte schon einige Überredungskunst unserer Eltern, wenn sie uns da hinauf zum Pilze- und Beerensuche schickten. Ich weiss nicht, wer das Bild malte, auf jeden Fall muss es ein guter Künstler gewesen sein!

1994 wurde zum 10-jährigen Jubiläum der Tulfer Dorfbühne "Die Räuber am Glockenhof" unter der Regie von Rolf Parton uraufgeführt und lockten über 10`000 begeisterte Besucher an. Alle zwei Jahre finden am Glockenhof, einem der schönsten Freilichtspiel-Plätze Tirols, Theateraufführungen statt.






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