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#nicht immer brav aber...immer wOw


39 Wochen. Die erste Träne

Alleinerziehend, geschieden und Hartz IV. Das Gefühl absolut versagt zu haben und nicht zu wissen wie es weiter gehen soll. 39 Wochen lang begleiten wir eine Mutter, die versucht sich aus allem heraus zu retten. Teil 5.  



In 20 Minuten möchte ich das unfassbare Glück das in mir aufsteigt, wenn ich meine Prinzessin sehe, für sie verbreiten. Ihr das Gefühl von Sicherheit und Unbeschwertheit vermitteln, so gut ich nur kann.

Bald wird das nicht mehr ausreichen. Dann wird sie es wissen, wie zerbrechlich und unsicher ihre Heimat, ihr Leben und ihr Glück durch mich ist. So wie es ihre großen Geschwister erfahren mussten.

Der Bus kommt und ich steige ein. Wenigstens diese bezahlte Monatsfahrkarte bringt uns überall hin. Die Sonne blendet durch die Scheiben und ich setze meine Sonnenbrille auf.

Eine Träne gleitet darunter hindurch und ich bin so dankbar dafür in diesem Moment, wische sie sanft fort. Man sagt ja, sie reinigen die Seele.

In den kurzen 7 Minuten die der Bus braucht um die Stadtmitte zu erreichen, wandern meine Gedanken ins Grenzenlose. Bald ist wieder Monatsanfang denke ich mir, als ich im vorbei fahren die vielen Menschen mit Einkaufstüten sehe. Sie haben genug Geld, auch am Ende des Monats.

Sie haben etwas richtig gemacht, was ich falsch gemacht habe. Vorgeschichte verpasst? Hier den Teil 4 nachlesen...

Mein Geld reicht gerade mal für 10 Tage Lebensmittel, und danach leihe ich mir Geld von meinen arbeitenden Kindern, die es dann regelmäßig zum Monatsanfang wieder zurück erhalten.

Aber dann habe ich eben auch wieder nur für einige Tage genug übrig und so geht das Monat für Monat, bis ich endlich eine Arbeit habe und ein guter Rhythmus reinkommt.

Ohne meine Kinder und meine Mutter wäre ich wirklich aufgeschmissen. Bei uns stimmt der Spruch "Wenn es um Geld geht zerbricht die Freundschaft" überhaupt nicht. Im Gegenteil. Es ist kein Thema, das uns belastet. Belastend ist immer nur dieses damit verbundene hin und her ohne wirklich das Licht am Ende zu sehen.

Aber auf das Licht, welches durch Arbeit entsteht, warten wir geduldig und verweilen in Würde miteinander. Zumindest ist das jetzt noch so. In mir nagt das Versagen so sehr.
Der Bus bremmst plötzlich und ich werde aus meinen Gedanken gerissen.

Fast sind wir in der Stadtmitte an der Busstation. Ein älterer Mann überquerte zu langsam die Straße. Ich sehe ihn, wie er mit erschrockenem Gesicht in den Bus blickt. 
                    
Seine Blicke treffen mich und ich schenke ihm ein Lächeln. Seine Augen sehen müde aus, sein Gang wirkt erschöpft.  
Doch es strahlt sein Alter aus ihm heraus, nicht das er ein trauriges oder schweres Leben gehabt hätte.  
Ich freue mich für ihn, so im Gedanken vertieft.

Dann nehme ich wieder die lauten Geräusche wahr. Die Menschen im Bus, die sich laut miteinander unterhalten, Kinder ganz hinten sitzend, die lachen und Blödsinn machen.

Es geht mir gut, meinem Herzen tut alles Schöne so gut. Und ich bin so dankbar, das ich es sehe. Immernoch erkenne, wie schön das Leben und die Welt ist.

Meine Hand tut weh, als ich mich am Griff festhalte um auszusteigen. Hatte ganz vergessen, dass ich eine Wunde habe. Eine Wunde, die man sehen kann, denke ich bei mir.

Die Wunden, die mich wirklich ernsthaft kränken, sieht man nicht...







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