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Immer, wenn ich auf einen Jahrmarkt gehe, oder zufällig auf einen stosse, weckt es in mir Kindheitserinnerungen. Bei uns gab es höchstens zweimal im Jahr einen Markt und das war für uns Kinder jedesmal ein grosses Ereignis

Durfte auf keinem Jahrmarkt fehlen... :o)
Schon ein bis zwei Tage davor, löste es in uns eine unerhörte Spannung aus, wenn wir zusahen, wie man die Stände aufstellte und auf einmal viele fremde Leute in unsere kleine Stadt kamen. Und man war so richtig brav, folgte den Eltern, denn man wusste, sonst durfte man nicht auf den Markt gehen. 

Von Kaufen konnte sowieso praktisch keine Rede sein, denn das Geld war knapp und unsere Eltern mussten schauen, dass sie jeden Tag das Essen auf den Tisch stellen konnten. Doch manchmal bekamen wir doch einen Schilling und wenn wir dann mit unseren Mitschülerinnen loszogen, hüteten wir diesen wie einen grossen Schatz. 

Denn es war so richtig schwer zu entscheiden: Sollte man Zuckerwatte oder türkischen Honig dafür kaufen. Meistens entschied man sich für das letztere. Denn allein der "Türke" mit seinem roten Fes und der schwarzen Quaste dran, zog uns magisch an. Natürlich hatte er auch immer einen schwarzen wuchtigen Schnurrbart, und der löste mächtigen Respekt bei uns aus. Und so wanderten halt 50 Groschen in dessen Kasse und die andere Hälfte sparte man oftmals. 

Aber wann immer ich mir heute irgendwo türkischen Honig kaufe, er hat nie und nimmer dieses Prickeln auf der Zunge und den Geschmack ereicht wie in meinen Kindertagen. 

Er war einfach anders und viel viel viel besser!!!!!* Es war an und für sich ein einmaliges Erlebnis, wenn der Verkäufer von dem richtig grossen festen gelblichen Klotz, der aussen immer mit vielen Mandeln oder Haselnüssen bedeckt war, ein Stück herunterhackte. Ja, man kann sagen, hackte, denn dieser Würfel war richtig hart und so hatte man lange etwas davon, wenn man ein kleines Stück in den Mund nahm und es genussvoll und voll Andacht lutschte.... >>>


Na ja, von den Nüssen merkte man nicht sehr viel. Man hatte Glück, wenn eines dabei war. Aber das war für unser Glück nicht von Belang. Und da wir Kinder fast alle gleich arm waren, teilten wir auch. Wenn es auch nur winzige Bruchstücke waren, die durchs Schneiden danebengefallen waren. 

Ich weiss, die heutige Jugend hätte dafür nur ein mitleidiges Lächeln übrig, aber ich denke, selbst bei ihren grossen Geschenken können sie nicht so glücklich sein, wie wir es bei diesen Kleinigkeiten waren. Wir waren zufriedener und vor allem, Neid war uns eigentlich fremd! 

Die heutigen Märkte sind nicht mehr das Gleiche, was ja natürlich ist, haben sich auch die Zeiten geändert. Einzig in Südfrankreich, wo ich war und es eigentlich jeden Tag irgendwo einen Markt gibt, natürlich auch am Samstag und Sonntag, kamen die Erinnerungen wieder. 

Dort ist ein richtiges Leben, mit all den "fliegenden Händlern", den Gerüchen, Geschwatze und Gelächter, dem Wühlen in den Ständen, das Anprobieren, auch wenn die Leute zusehen und sich mit einem freuen. 

Man fühlt sich nicht fremd, man ist eingebunden, lässt sich von und in der Menschenmenge treiben, handelt und feilscht. Was das Schöne daran ist, man bekommt wirklich gute und tolle Ware! Und das Beste, es ist billig! Ob man leichte Sommerschuhe kauft, Jupes oder T-Shirts, sie sind nach der neuesten Mode. Für eine modische Uhr bezahle ich etwa fünf bis zehn Euro und bekomme Batterien noch gratis dazu. 

Da spielt es eigentlich keine Rolle, wenn sie nur ein Jahr hält. Denn dan muss man sich nicht ärgern und es tut dir auch nicht leid. Parfums kannst du hier zehn kaufen, wo ich in der Schweiz eventuell eines bekomme, von Modeschmuck gar nicht zu reden. Es entlockt mir hier oft nur ein müdes Lächeln, wenn in Modekatalogs Schnäppchen angeboten werden, die oft das Fünffache kosten. Besonders, wenn ich feststelle, dass es sich um solche handelt, die man sicher irgendwo billigst eingekauft hat. 

Aber wenn man müde vom Herumwandern ist, setzt man sich irgendwo in ein kleines Bistro, geniesst eine Kleinigkeit zum Essen, trinkt ein Bier oder ein Glas Wein und schaut dem bunten und fröhlichem Treiben zu. Man kommt schnell ins Gespräch, auch wenn man überhaupt nicht sattelfest in der fremden Sprache ist, aber Hände und Füsse haben schon immer geholfen. 

Und ein freundliches Lächeln, ein "Merci", hat noch nie seine Wirkung verfehlt. Und dann sind sie plötzlich da, die Erinnerungen! Ich sehe wieder das Treiben vor mir, erinnere mich an den Geschmack von Süssem, den Duft von Würsten oder knusprigem Brot und freue mich, dass es dies alles doch noch gibt und ich es erleben darf! 

* Aber wie es wohl immer ist und sein wird, Erlebnisse in der Kindheit sieht man halt im Alter meistens besser, als sie in Wirklichkeit waren.

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