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Sind es die riskanten Aktienspekulationen an den Börsen dieser Welt oder die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die die gesamte westliche Welt jahrelang in wirtschaftliche Not rissen und immer noch reissen? Schon einmal war so etwas der Anfang vom Ende...

 
Winston Churchill, der spätere britische Premierminister, machte im Oktober 1929 einen Spaziergang in der New Yorker Wall Street, um sich an die Börse zu begeben. Von der Galerie aus beobachtete er das Treiben. Er erwartete chaotische Zustände, doch was er sah, war von erstaunlicher Ruhe und Ordnung geprägt. 

So schrieb Churchill der britischen Zeitung „The Daily Telegraph“: "Die Herren dort sind strengsten Regeln unterworfen und dürfen weder schnell laufen noch ihre Stimmen ungebührlich erheben. Es wirkte wie in einem Zeitlupenfilm, als sie einander gewaltige Wertpapierpakete zu einem Drittel ihres früheren Preises und der Hälfte ihres derzeitigen Wertes anboten." 

Es war die Ruhe vor dem Sturm, es war der Donnerstag, der 24. Oktober 1929, einen Tag vor dem so genannten „Schwarzen Freitag“- Ein gewaltiger Börsenkrach sollte die Vereinigten Staaten und mit ihr die ganze Welt wirtschaftlich in die Tiefe reissen. In den anschliessenden Wochen kam es zu menschlichen Tragödien und zahlreichen Selbstmorden.

  
In den folgenden drei Jahren stürzt die Weltwirtschaft in eine Depression, der Dow Jones fällt um 85 Prozent und erreicht erst in den 50er-Jahren wieder das Niveau des Spätsommers 1929. Noch bis Anfang der 1930er Jahre waren die Nachwehen des Börsenkrachs in praktisch allen Wirtschaftsbereichen zu spüren. Liquiditätsschwierigkeiten führten zur Kündigung von Krediten, nach den Banken ging den Firmen das Geld aus, die dann zusperren und Leute auf die Strasse stellen mussten.

Davon betroffen war besonders Deutschland, das durch die Reparationsforderungen nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg im Ausland hoch verschuldet war. Wie in den USA kam es zu einer schweren Bankenkrise, zu zahlreichen Konkursen und zu Massenarbeitslosigkeit. 1932 waren in Deutschland rund sechs Millionen Menschen arbeitslos. 

Run auf die Banken in Deutschland. Den Banken ging rasch das Bargeld aus.
Allgemein wird der Börsenkrach von 1929 als Hauptgrund für die Phase der Depression angesehen. Die Anfänge der Katastrophe aber lagen weiter zurück. In den Jahren von 1924 bis 1929, die gern auch als die „Goldenen Zwanziger“ bezeichnet werden, führten unbändiger Konjunkturoptimismus und der Glaube an einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in den USA zu umfangreichen Aktienspekulationen. 

Und obwohl viele diese Jahre für eine Zeit des Wohlstands hielten, war der Reichtum doch sehr einseitig verteilt. Calvin Coolidge, der amerikanischer Präsident von 1923 bis 1929 war, trat für eine Laissez-faire-Einstellung gegenüber der Wirtschaft ein. (Er liess die Sache einfach laufen!) Während seiner Amtszeit führte die Regierung unglaubliche Steuervergünstigungen für die Reichen ein. 

1925 etwa wurde der Spitzensteuersatz um 25 Prozent gesenkt. Als Folge davon verfügten 0,1 Prozent der oberen Bevölkerungsschicht im Jahr 1929 zusammen über ein Einkommen, das dem der unteren 40 Prozent entsprach! Die weit verbreitete Illusion grossen Wohlstands führte zu hektischen Spekulationen und einer wachsenden Abhängigkeit von Personalkrediten. 

In den "goldenen zwanzigern" wurde gefeiert und Geld ausgegeben, was das Zeug nur hielt.
Die Fabrikanten und Hersteller ermunterten die Menschen, Dinge zu kaufen, die sie eigentlich nicht brauchten. So baute die USA ihre industrielle Produktion in grossem Massstab aus. Aber es gab auch einige deutliche Schwachstellen in der amerikanischen Wirtschaft. So verarmte der Bergbau, die Landwirtschaft und Textilindustrie, insbesondere aber die Landarbeiter. 

Bei den anderen Wirtschaftszweigen verhalf der Aufschwung die Börse zu ungeahnten Höhenflügen. Auf der Wall Street stieg der Dow-Jones-Index von 88 Punkten im Jahr 1924 auf 381 Punkte im September 1929. In dieser optimistischen Atmosphäre kauften selbst die weniger Betuchten Aktien und liehen sich Geld von den Banken. Sie hatten die Hoffnung, diese dann wieder verkaufen zu können mit einer schönen Summe Gewinn.

Das war ein äusserst gefährliches Geschäft, denn hinter den wild wuchernden Spekulationen steckte oft kein wirkliches Geld. Kein Wunder, löste der Börsenkrach vom 25. Oktober 1929 den Zusammenbruch aus.

  
Herbert C. Hoover gewann 1928 die Präsidentschaftswahlen mit einem geradezu erdrutschartigen Sieg. Aber schon vier Jahre später verlor er die Wahl ebenso haushoch an Franklin D. Roosevelt. Er unterlag, weil ihm die Wähler die Schuld an der Wirtschaftskrise gaben. Er war ein guter Politiker, der zum falschen Zeitpunkt Präsident geworden war. 

Aber er übersah die Zeichen der Zeit. Er zögerte, der wachsenden Zahl von Arbeitslosen Unterstützung zu gewähren. Mit Ausgabenkürzungen des Bundes und Steuererhöhungen, dachte er, liesse sich die wirtschaftliche Ordnung wiederherstellen. Genau das Gegenteil war der Fall. Am Ende seiner Amtszeit versuchte Hoover das Ruder noch herumzureissen, aber es war zu spät. Er hatte das Vertrauen der amerikanischen Wähler verloren.

Im März 1933 gestand sein Amtsnachfolger Roosevelt offen ein, dass die „Werte auf ein unerhörtes Tief gesunken sind, die Steuern sind gestiegen, unsere Zahlungsfähigkeit hat nachgelassen, die Farmer finden keine Abnehmer für ihre Erzeugnisse und die in die Tausende gehenden Ersparnisse vieler Jahre sind verloren.“ 

USA: Arbeitslose stehen Schlange.
Unmittelbar nach seinem Amtsantritt berief Roosevelt den Kongress zu einer Krisensitzung ein. Dieser verabschiedete in den ersten 100 Tagen ein beachtliches und umfassendes Gesetzgebungswerk. Es ging unter dem Namen „New Deal“ in die Geschichte des 20. Jahrhunderts ein. 

Millionen Menschen fanden in diesem Programm eine Beschäftigung. Eine allmähliche Erholung der amerikanischen Wirtschaft setzte in den Folgejahren ein. Auch in Europa wurde der Glaube an die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft durch eine aktive staatliche Konjunkturpolitik ersetzt. In Deutschland nahm ein Mann namens Adolf Hitler die Arbeitsmarktpolitik in die Hand . . . 

Übrigens, auch Isaac Newton wurde 1720 Opfer eines Börsencrashes. Von dem Physiker stammt der berühmte Ausspruch: "Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunden berechnen, aber nicht, wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treibt."

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